Zuwächse an den wichtigsten Aktienmärkten

John Vail, Nikko AM
John Vail / Bild: Nikko AM
Wir rechnen fürs kommende Jahr mit soliden Zuwächsen an den Aktienmärkten: den MSCI World Total Return Index (in USD) sehen wir binnen Jahresfrist um 12,3 Prozent höher. Die restriktivere Haltung der Zentralbanken und die Möglichkeit moderater Steuererhöhungen in den USA könnte die Investitionsstimmung zwar beeinträchtigen. Höhere Staatsausgaben und die weltweite Erholung von Wirtschaft und Unternehmensgewinnen dürften das aber mehr als ausgleichen.
 
Solange geopolitische Ereignisse die Marktstimmung nicht beeinträchtigen, dürften die Kurse anziehen – bei so einigen Risiken muss man dabei aber „die Daumen drücken“. Ein wichtiger positiver Faktor dürften zudem die Gewinne fürs vierte Quartal 2021 und deren Auswirkungen auf die Erwartungen fürs kommende Jahr sein. Bereits in der Vergangenheit haben vor allem US-Unternehmen immer wieder ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, Gewinnerwartungen zu übertreffen. Insgesamt bleiben wir jedoch vor allem für Japan sehr optimistisch.

USA: Zweistellige Zuwachsraten möglich

In den USA liegt das KGV des S&P 500 bei sehr hohen 22 (Gewinnschätzungen für 2021) bzw. bei immer noch hohen 20 (für 2022). Dafür gibt es jedoch Gründe: Die Anleiherenditen sind niedrig, so dass an den Rentenmärkten Enttäuschungen drohen. Die Aktien-Rückkäufe erholen sich deutlich und das Gewinnwachstum dürfte die optimistischen Konsensschätzungen noch übertreffen. Staatliche Eingriffe, insbesondere bei den großen Technologiewerten, könnten für moderaten Gegenwind sorgen. Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass der S&P 500 bis zum Jahresende 2022 zweistellig zulegen wird. Hinzu kommt aus Sicht von Euro-Anlegern, wenn unsere Erwartungen stimmen, ein kleiner Wechselkursgewinn dank eines erstarkenden Dollar.

Europa: Erwartungsfroher Ausblick

In Europa blickt man deutlich erwartungsfroher in die mittelfristige wirtschaftliche Zukunft. Das KGV des Euro Stoxx entspricht mit dem 15,7-fachen des Gewinns für das Jahr 2021 seinem historischen Durchschnitt; für 2022 liegt es bei 14,9. Auch hier gehen wir davon aus, dass die Gewinnerwartungen nach oben korrigiert werden. Die hohe Dividendenrendite des Marktes dürfte auch weiterhin heimische und internationale Anleger anlocken. Der Euro-Stoxx-Index wird bis Ende Dezember 2022 unserer Meinung nach deutlich zweistellig steigen. Interessant wird sein, wie die Märkte auf den politischen Linksruck in Deutschland reagieren und wie schnell die EZB von ihrer ultralockeren Haltung abrücken muss.

Japan: Hinter den Erwartungen

Japans Aktien blieben zuletzt trotz drastisch sinkender Corona-Zahlen hinter den Erwartungen zurück. Der wichtige Automobilsektor lässt seine unerwartet umfassenden Produktionsprobleme zunehmend hinter sich. Seit September sind die Gewinnschätzungen für Unternehmen im TOPIX fürs laufende Jahr um fast 2 Prozent gestiegen; auch fürs kommende Jahr tendieren die Schätzungen aufwärts. Das politische Risiko in Japan bleibt derweil gering, die Strukturreformen werden fortgesetzt, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und alternative Energien, und steuerliche Anreize dürften das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Das KGV des TOPIX sank zuletzt auf 14,1 (Gewinnschätzungen für 2021) und liegt damit deutlich niedriger als in anderen Regionen. Da die Gewinnschätzungen für 2022 nach oben korrigiert werden dürften, erscheint das KGV von 13,2 (Gewinne 2022) besonders attraktiv. Für uns ist Japan daher ein Markt, der sich nach seiner jüngsten Talfahrt besser entwickeln sollte. Hierzu tragen verstärkte Aktienrückkäufe, ein besseres globales Wachstum und ein deutlich geringerer Mangel an Komponenten in der Automobil- und Technologieproduktion bei. Die Dividendenrendite des Marktes bleibt mit 2,1 Prozent im weltweiten Vergleich attraktiv. Wir gehen davon aus, dass die heimischen Anleger aufgrund der Dividendenerträge in großem Umfang in den Aktienmarkt zurückkehren und den TOPIX bis Ende nächsten Jahres auf 2.310 treiben werden. Der Nikkei dürfte bis dahin 33.000 Punkte erreichen.

Abhängigkeit von China bleibt hoch

Die entwickelten Volkswirtschaften am Pazifik (ohne Japan) sind stark von den verschiedenen Ungewissheiten und Umwälzungen in China abhängig. US-Präsident Biden hat zwar viele harte Maßnahmen gegenüber China beibehalten; die Chancen stehen aber gut, dass er einige der von seinem Vorgänger eingeführten Zölle bald aufheben wird. Angesichts von Chinas jüngstem Boykott westlicher Firmen, die Menschenrechtsbedenken geäußert haben, und wegen Spannungen mit globalen Demokratien (einschließlich Taiwan) sind die Handelsbeziehungen weiterhin belastet. Australiens Beziehungen zu China sind nach wie vor sehr schlecht; das Land profitiert aber von der starken weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen wie Metallen, Flüssiggas und Kohle. Der Aktienmarkt von Hongkong, der von Unternehmen aus der Volksrepublik dominiert wird, litt unter verschiedenen regulatorischen Entwicklungen sowie unter fehlenden Touristen. Impfungen und der zunehmende globale Tourismus werden diesen beiden Volkswirtschaften jedoch sehr helfen. Insgesamt rechnen wir für Hongkong in den nächsten sechs Monaten nur mit bescheidenen Zuwächsen, danach aber mit einer deutlichen Erholung. Den MSCI-Index der Region (in USD) sehen wir bis Dezember 2022 um 15,3 Prozent im Plus (unannualisierte Gesamtrendite).

Aktienmarkt-Prognosen von Nikko AM für Euroland, USA, Japan, Hongkong

     Stand 03.12.2021    zum 21.12.2022
Euro STOXX
        456
            515
 + 12,9 %
S&P 500
     4.538
         5.014
 + 10,5 %
Nikkei 225
   28.030
       33.000
+  17,7 %
TOPIX
     1.958
        2.310
 + 18 %
 Hang Seng
   23.767        26.144  + 10 %

John Vail ist Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management

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