Steigende Kurse und steigende Renditen

John Vail, Nikko AM
John Vail / Bild: Nikko AM
Bis Ende September lagen die Optimisten an den globalen Aktienmärkten richtig. Dann machten schwächere Märkte und ein stärkerer US-Dollar fast alle Gewinne im MSCI World zunichte. Die steigenden Gewinnschätzungen fürs laufende Jahr verblassten angesichts steigender Inflationsängste und banger Blicke auf die zahlreichen Probleme in China. Wie geht es in den kommenden Monaten an den Börsen weiter?
Für das vierte Quartal 2021 und die kommenden Quartale sind wir optimistisch für Aktien. In den USA dürften moderate Steuererhöhungen für Wohlhabende und vielleicht auch für alle Aktienanleger auf die Stimmung schlagen. Die erhöhten US-Staatsausgaben und die durch Impfstoffe ausgelöste weltweite Erholung von Wirtschaft und Unternehmensgewinnen sollten dies jedoch mehr als wettmachen. Das Ausbleiben geopolitischer Ereignisse, die die Marktstimmung beeinträchtigen, dürfte die Kurse ebenfalls stützen. In Bezug auf das Iran-Abkommen kann man hierzu allerdings nur die Daumen drücken.

Gewinnschätzungen steigen

Ein wichtiger positiver Faktor dürften zudem die Gewinne des dritten Quartals und ihre Auswirkungen auf die Erwartungen für 2022 sein. In den vergangenen fünf Quartalen haben es die US-Unternehmen geschafft, die Markterwartungen um Längen zu schlagen. Die Gewinnschätzungen für den S&P 500 sind gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent gestiegen. Wenn, wie wir erwarten, die Prognosen für das dritte Quartal deutlich über dem Konsens liegen, werden die Analysten kaum eine andere Wahl haben, als fürs kommende Jahr noch enthusiastischer zu prognostizieren. Die KGVs erscheinen hoch, dürften jedoch dank der Aufwärtskorrekturen der Gewinnschätzungen sinken. Wir halten an unserem Mantra fest: Die Fähigkeit der US-Unternehmen, die Gewinnerwartungen zu übertreffen, ist beeindruckend und sollte bis auf Weiteres selbst unter schwierigen Umständen nicht in Frage gestellt werden.
 
Auch Japan und Europa übertrafen ihre Gewinnerwartungen zuletzt deutlich. Zur Überraschung der meisten Anleger lagen beide Länder in dieser Hinsicht sogar vor den USA. Japanische Analysten sind in der Regel recht konservativ, und die Unternehmensleitungen geben oft zu vorsichtige Gewinnprognosen ab. Nach der Gewinnsaison im dritten Quartal dürfte die Zuversicht mit Blick auf das kommende Jahr jedoch steigen. Die weit verbreitete Skepsis der Analysten wurde auch in Europa trotz der Probleme in der Region stark gemildert: Steigende Gewinnerwartungen und die starke wirtschaftliche Erholung dürften auch hier die Zuversicht steigern.

Enthusiastische Einschätzung

Insgesamt bleiben wir bei unserer enthusiastischen Einschätzung der globalen Aktienmärkte. Der MSCI World Total Return Index (in USD) dürfte bis Dezember 2021 um 3,0 Prozent und binnen Jahresfrist um 9,0 Prozent steigen. Wir erwarten in jeder Region Zuwächse. Das gilt vor allem und über fast alle Zeiträume für Japan.

Aktienmarkt-Prognosen Euroland, USA, Japan (6-Monats-Sicht, Jahressicht)#

     zum 31.03.2022    zum 30.09.2022
EuroStoxx         488
       505
S&P 500
     4.684      4.811
Nikkei 225
   32.300
   33.000
TOPIX      2.240      2.290

 

Renditen und Dollar steigen

Viele Anleihe-Investoren dürften weiterhin davon ausgehen, dass die Inflation nicht von Dauer sein wird. Ein starkes Wirtschaftswachstum in Verbindung mit deutlich reduzierten Fed-Käufen wird eine Herausforderung darstellen; wir erwarten jedoch keinen rapiden Anstieg der Renditen. Die meisten Rohstoffpreise dürften dank eines größeren Angebots und weniger Corona-Einschränkungen nicht weiter steigen. Eine zunehmend geimpfte Welt lernt immer besser, mit COVID zu leben. Dazu gehören aber auch für Anleiheinvestoren angesichts von Virus, gelegentlich enttäuschender Wirtschaftsdaten und Problemen bei den Veränderungen in China Sorgen um die Weltwirtschaft. Daher gehen wir davon aus, dass die Renditen 10-jähriger Anleihen weltweit weiterhin durch die niedrigen Leitzinsen der Zentralbanken gedämpft werden. All dies bedeutet, dass wir die Entwicklung des globale Rentenindex FTSE WGBI wenig enthusiastisch sind.

Steigende Verbraucherpreise

Immerhin erwarten wir am Devisenmarkt einen leicht steigenden USD-Kurs gegenüber dem Euro von 1,15 Ende März 2022 und 1,13 binnen Jahresfrist. Die Inflationsraten dürften auf Jahresbasis sehr hoch bleiben, sich aber auf 6-Monatsbasis auf unter 2,5 Prozent abschwächen. Haupttreiber sind die Wohnungsmieten, die viel höher steigen dürften als von vielen erwartet. Die Unternehmen scheinen eine enorme Preissetzungsmacht zu haben und nutzen Engpässe, um Preiserhöhungen zu rechtfertigen, die höher sind als zur Aufrechterhaltung der aktuellen Gewinne erforderlich. Konkrete politische Maßnahmen dagegen sind kaum erkennbar.
 
Da die Verbraucherpreise auch in Europa und Japan ansteigen, wird der weltweite Aufschwung, wie von den Zentralbanken beabsichtigt, inflationär sein. Bleibt zu hoffen, dass dies der Einkommensungleichheit nicht mehr schadet als nützt.

     zum 31.03.2022    zum 30.09.2022
Euro/US-Dollar
        1,15
       1,13
Staatsanleihen Euroland 10j.
      - 0,1  %
     - 0,05 %
Staatsanleihen USA 10j.
        1,65 %
       1,80 %
Staatsanleihen Japan 10j.
        0,20 %
       0,30 %

 

John Vail ist Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management

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