Markt ist anfälliger

Prof. Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Prof. Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
Viele Aktienregionen sind jüngst weiter nach oben geschlichen, dank positiver Gewinnrevisionen, andauernder Zuflüsse und Aktienrückkaufprogrammen. Der S&P 500 markierte sein 54. Allzeithoch dieses Jahr. Nachzügler wie US Small Caps und japanische Aktien entwickelten sich überdurchschnittlich, unterstützt durch Short Covering und wieder erstarkendem Konjunkturoptimismus. Die Anleiherenditen bewegten sich zuletzt seitwärts, trotz weiterhin hohen Inflationszahlen. Der Markt wartet auf neue Impulse seitens der Zentralbanken hinsichtlich der Drosselung der Anleihekaufprogramme. Diese dürfte es bei den im September anstehenden Zentralbanksitzungen geben. Dass viele Anleger nervös sind und sich absichern, sieht man an der weiter erhöhten impliziten Volatilität – der VIX hat dieses Jahr nie unter 15 geschlossen – und der hohen Differenz zwischen Absicherungs- und Aufwärtspartizipationskosten. Jedoch haben systematische Anleger wie Trendfolgestrategien weiter Aktien gekauft, sodass der Markt insgesamt leicht anfälliger geworden ist.

Kurzfristiger Ausblick: Wichtige Konjunkturdaten

Am Montag waren die US-Börsen infolge des Labour Day geschlossen. Nach den jüngst wieder vermehrt falkenhafteren Tönen einiger EZB-Mitglieder dürfte die EZB-Sitzung am 9. September mehr Klarheit über die zukünftige Geldpolitik in der Eurozone schaffen. Politisch wird es am 10./11. September auf der Euro-GruppeSitzung sowie bei den Unterhaus-Wahlen in Russland am 19. September spannend. Diesen Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen (Sep.) sowie die Industrieproduktionsdaten (Jul.) für Deutschland veröffentlicht. Am Donnerstag folgen die Inflationsdaten (Aug.) für China, die Exporte (Jul.) von Deutschland sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA. Die Industrieproduktionsdaten (Jul.) für Großbritannien, Frankreich und Italien sowie die Erzeugerpreise (Aug.) für die USA werden am Freitag bekannt gegeben. In der Folgewoche werden die Inflationsdaten, das Verbrauchervertrauen, die Einzelhandelsumsätze sowie die Industrieproduktionsdaten der USA für August publiziert.
  • Der S&P 500 hat dieses Jahr im Durchschnitt an jedem dritten Handelstag ein neues Allzeithoch markiert.
  • Der VIX hielt sich jedoch hartnäckig oberhalb der 15er-Marke, was eine vorsichtige Haltung der Anleger suggeriert.
  • In den Jahren nach der Finanzkrise wurden Allzeithochs bei wesentlich niedrigeren VIX-Niveaus realisiert. Jedoch ist die Kombination aus relativ hoher impliziter Volatilität und Allzeithoch beim S&P 500 kein Novum. Um die Jahrtausendwende herum war das eher die Norm.

Wichtige Anlageklassen im Überblick

  • Die großen Anlageklassen haben sich über die letzten vier Wochen nicht stark bewegt: Gold legte als bestes Asset 2,6 Prozent zu, der US-Dollar verlor gegenüber dem Euro mit 1 Prozent am meisten.
  • Der Markt legt entsprechend eine Verschnaufpause ein und wartet auf neue Impulse, die seitens  der Fed und auch mit der nahenden Q3-Berichtssaison bald kommen dürften.
  • Innerhalb der Aktienregionen profitierten osteuropäische Aktien von der Erholung des Ölpreises.
  • Japan legte ebenfalls deutlich zu, beflügelt von einer optimistischeren Anlegerstimmung und steigenden Gewinnschätzungen seitens der Analysten.
  • Carry-Anleihen schnitten jüngst deutlich besser ab als sichere Staatsanleihen, unterstützt durch die anhaltende Jagd nach Rendite und taubenhaften Kommentaren von Jerome Powell auf der Jackson-Hole-Tagung.
Prof. Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg.
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Datum: 6. September 2021.