Hoffen auf die Notenbank

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Die deutschen Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche etwas von ihren vorausgegangenen Verlusten erholt und zugelegt. Verantwortlich hierfür waren allerdings weder ein zurückgekehrter Konjunkturoptimismus noch angenehme Überraschungen in Sachen Handelskonflikte. Die Anleger setzten ihre Hoffnungen vielmehr wieder einmal auf die US-Notenbank Fed und darauf, dass diese ihre Geldpolitik lockern wird. Fed-Chef Jerome Powell hatte gesagt, die Notenbank beobachte die Auswirkungen der Handelsstreitigkeiten sehr genau und werde gegebenenfalls reagieren, um das Wachstum aufrecht zu erhalten. Unter den Erwartungen ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten befeuerten die Spekulationen um eine Zinssenkung der Fed zusätzlich. Das Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde dagegen von etlichen Marktteilnehmern mit Enttäuschung aufgenommen. Die EZB hatte zwar mitgeteilt, die Zinserhöhung bis mindestens Mitte des kommenden Jahres zu verschieben, allerdings keine zusätzlichen Lockerungsmaßnahmen angedeutet.

Dax kehrt zurück

Der Deutsche Aktienindex (Dax) kehrte über die Marke von 12.000 Punkten zurück und legte im Wochenvergleich 2,7 Prozent auf 12.045,38 Zähler zu. Der MDax stieg um 1,2 Prozent auf 25.082,96 Punkte. Allerdings büßten in beiden Indizes Immobilienwerte wie Vonovia oder Deutsche Wohnen deutlich ein. Hier belasteten die Diskussion über ein Verbot von Mietsteigerungen in Berlin und die Sorgen vor einer zunehmenden Regulierung. Der TecDax gewann auf Wochensicht 1,4 Prozent auf 2.787,09 Punkte. Der HAFIX-Deutschland kam um 1,9 Prozent auf 3.704,40 Zähler voran, der HAFIX-Europa verbesserte sich um 2,6 Prozent auf 2.802,57 Punkte.
 
Die Spekulationen über Zinssenkungen in den USA haben die Kurse an den deutschen Anleihemärkten in der vergangenen Woche spürbar steigen lassen. Umgekehrt markierte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe mehrfach neue Rekordtiefststände, so auch am Freitag, als sie auf -0,26 Prozent fiel. Zu Ende der Vorwoche hatte sie bei -0,21 Prozent gelegen, was zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ein Rekordtief war. Die Umlaufrendite sank im Wochenvergleich von -0,25 auf -0,27 Prozent.

USA

In den USA kletterte der Dow-Jones-Index in der vergangenen Woche um 4,7 Prozent auf 25.983,94 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index zog um 4,4 Prozent auf 2.873,34 Zähler an. Der technologielastige Nasdaq-100-Index rückte um 4,1 Prozent auf 7.417,29 Punkte vor. Am Pfingstmontag, an dem in den USA gehandelt wurde, trieb die Einigung im Zollstreit zwischen den USA und Mexiko die Kurse an der Wall Street weiter an, die Indizes legten zwischen 0,3 und 1,1 Prozent zu.

Ausblick: Zwischen Hoffnung und Zweifel

Auch wenn die Hoffnungen auf Zinssenkungen der Fed den deutschen Aktienbörsen in der vergangenen Woche einen erheblichen Schub gegeben haben, sehen etliche Analysten die Entwicklung in den kommenden Tagen mit Skepsis. Es bleibe abzuwarten, ob die Zinsspekulationen für weitere Gewinne ausreichen, heißt es. Zwar gilt unter Marktteilnehmern inzwischen als weitgehend sicher, dass die Fed in diesem Jahr Zinsschritte nach unten unternehmen wird. Allerdings stehen dem die schwelenden Handelskonflikte der USA, Konjunktursorgen und politischen Unsicherheiten entgegen.

 

Zu letzteren zählt aktuell die Lage in Italien. In der vergangenen Woche hatte sich die EZ-Kommission für ein Defizitverfahren gegen das Land ausgesprochen, aus Rom waren daraufhin versöhnlichere Töne gekommen. Ob dies aber so bleiben wird oder es doch zu einer Konfrontation zwischen Rom und Brüssel kommen wird, ist noch nicht entschieden. Positive Impulse gibt es dafür aus einer anderen Richtung. Die Einigung im jüngst von US-Präsident Donald Trump eröffneten Zollstreit mit Mexiko dürfte an den Märkten gut aufgenommen werden.

 

Hinsichtlich der Konjunkturdaten ist der Kalender in den kommenden Tagen übersichtlich gefüllt. Zu den interessantesten Veröffentlichungen zählen die Inflationszahlen aus den USA. Die Anleger werden diese in besonderem Maße auf ihre möglichen Auswirkungen auf die US-Geldpolitik hin betrachten. Die Daten zur Industrieproduktion in den USA und in China wiederum dürften vor allem auf die Auswirkungen des Handelsstreits hin analysiert werden.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Dienstag, 11.06.: Erzeugerpreise in den USA
Mittwoch, 12.06.: Verbraucherpreise in den USA
Donnerstag, 13.06.: Verbraucherpreise in Deutschland; Industrieproduktion in der Eurozone; Importpreise in den USA
Freitag, 14.06.: Handelsbilanz der Eurozone; Einzelhandelsumsätze in den USA; Industrieproduktion in den USA; Exportpreise in den USA; Industrieproduktion in China

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