Grüne Anleihen – ein wachsender Markt für gutes Klima ?

Eva Bloch, DHBW Ravensburg
Bild(er): MG&UK
Geld anlegen und dabei gutes für die Umwelt tun – geht das? Mit grünen Anleihen soll das möglich sein. Dabei leiht man als Privatperson Unternehmen, Staaten, Städten oder Banken Geld und bekommt während der Kreditlaufzeit Zinsen, bis das Geld am Ende zurückgezahlt wird. Sogenannte „grüne Anleihen“ oder „Green Bonds“ versprechen dabei, dass das geliehene Geld in nachhaltige Projekte investiert wird. Wie sinnvoll sind grüne Anleihen?
 
Seit 2007 existiert diese Form der Anlage. Das Emissionsvolumen, also die Ausgabe neuer Anleihen, hat sich laut ARD Börse seit 2013 verdreifacht. Ende dieses Jahres eröffnete die Deutsche Börse in Frankfurt das neue Segment der grünen Anleihen mit über 150 Angeboten. Vor allem die Kfw, die Weltbank und die Europäische Investment Bank sind große Anbieter. Beispiele für Green Bonds sind der Autohersteller Toyota mit einer Anleihe zur Finanzierung der Entwicklung umweltfreundlicher Motoren, die schwedische Stadt Göteborg mit Wasserfiltern und die Kfw-Bank mit Förderungen von Windparks. Einige Emittenten geben ihren Kapitalgebern dabei Auskunft über den Fortschritt ihrer Projekte, doch das hängt von der Transparenz des jeweiligen Anleihe-Emittenten ab.

Keine eindeutigen Definitionen

Denn noch immer ist der Begriff der Nachhaltigkeit bei "Green Bonds" - und nicht nur bei Anleihen - nicht klar definiert. So können auch Energiekonzerne wie die französiche Électricité de France einen Green Bond ausgeben, obwohl der Betrieb stark auf Atomenergie basiert. Stiftung Warentest stellt verschiedene Siegel und Standards vor, die versuchen, Abhilfe zu schaffen. So hat die internationale „Climate Bonds Initiative" ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, dass Anleihen anzeigt, die zur Kohlenstoffreduktion beitragen. Die „Green Bond Principles“ der International Capital Market Associattion (ICMA) sind Richtlinien, die dazu auffordern, die Emissionserlöse jährlich offen zu legen um dadurch mehr Transparenz für Anleger zu schaffen. Doch vieles ist nur freiwillig und daher nicht überprüfbar.
 
Neben mangelnden Informationen gibt es bei grünen Anleihen noch weitere Nachteile. Viele Anleihen waren für Privatanleger nicht erschwinglich, es gab hohe Mindestanlagesummen von teils 100.000 Euro. Doch mittlerweile werden vermehrt auch Bonds ab 1.000 Euro ausgegeben. Die Zinsen sind laut Handelsblatt höher als bei den Banken, einige Projekte bieten bis zu fünf Prozent – eine gute Alternative. Zu beachten ist jedoch das Ausfallrisiko bei Anleihen. Wenn das Unternehmen oder die Bank zahlungsunfähig wird, ist das verliehene Geld weg.

Fazit

Mein Fazit lautet deshalb: Vor allem in Schwellenländern, wo durch mangelnde staatliche Hilfe wenig für Umwelt- und Klimaschutz getan wird, können private oder wirtschaftliche Initiativen sinnvoll sein. Wer sich informiert, kann sein Geld guten Gewissens und mit Profit verleihen, um damit Klima und Umwelt zu schützen. Doch grüne Anleihen können auch die sprichwörtliche Katze im Sack sein, wenn man nicht genau weiß, welche Projekte unterstützt werden. Zudem können auch Unternehmen, die selbst alles andere als grün sind, Green Bonds für bestimmte Projekte herausgeben. Da muss dann der Anleger selbst entscheiden, ob er sich ausschließlich auf das Projekt fokussieren möchte - oder aber auch das Unternehmen im Hintergrund beurteilt.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

EDF 10,72 1,61137 %
close

Populäre Aktien

TOYOTA MOTOR Rg 57,90 1,01186 %
close

Populäre Aktien