Warum es vorteilhaft ist, Auslandsaktien im Inland zu handeln

Thomas Posovatz, mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
Thomas Posovatz / Bild: mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
Internet hat die Welt zum Dorf schrumpfen lassen – und den Wertpapierhandel zu einer Angelegenheit gemacht, die sich mit wenigen Klicks bewerkstelligen lässt. Wer heute eine Aktienorder aufgibt, dem steht dank Computer und Internet die Welt offen. Französische Rohstoffaktien, amerikanische Hightech-Werte oder japanische Fintech-Innovatoren – der Anleger hat die Wahl. Rund 4500 Auslandsaktien aus etwa 60 Ländern sind allein an der Börse München gelistet, und es sind viele mehr, wenn der Anleger all die anderen Handelsplätze in Deutschland hinzunimmt.

Auslandsorders mit hohen Zusatzgebühren

Manche Anleger glauben noch, es sei günstiger, ausländische Aktien an deren Heimatbörse zu ordern. Dem ist jedoch nicht so. Häufig berechnen die Broker für eine Auslandsorder hohe Zusatzgebühren, die bei einer Inlandsorder nicht anfallen. Manche Anleger glauben, dass dieser Nachteil durch eine höhere Liquidität im Wertpapierhandel aufgewogen. Doch auch dem ist nicht so.
 
Es ist richtig, dass der Handel in einem Wertpapier meistens an der Heimatbörse am stärksten ist. Dies bedeutet allerdings nicht, dass deshalb die Qualität in der Kursfeststellung der Auslandsaktie an einer deutschen Börse schlechter wäre. Dafür sorgt schon die enge Verbindung zwischen den einzelnen Finanzplätzen rund um den Globus. Diese erleichtert die Arbitrage, bei der Wertpapierhändler kleinste Kursdifferenzen zwischen den Handelsplätzen nutzen und weitgehend ausgleichen.

Skontroführer sorgen für fairen Börsenpreis

Den Handel in Wertpapieren an den Regionalbörsen betreuen die Skontroführer. Das sind erfahrene Wertpapierhandelsbanken, die für Aktien, Anleihen, Fonds und bestimmte Derivate an einem Handelsplatz das Orderbuch führen. Die größeren Auslandsaktien werden an mehreren Handelsplätzen gelistet, sodass dem Anleger eine breite Auswahl zur Verfügung steht. Für den Handel in beispielsweise Aktien von Microsoft gibt es ein Orderbuch an der Börse München, ein weiteres auf Xetra, an der Börse Stuttgart und so weiter. Dabei kann es sein, dass unterschiedliche Skontroführer für den Handel in einer Auslandsaktie an den verschiedenen Handelsplätzen verantwortlich sind. Das ist sogar meistens der Fall.
 
Skontroführer tragen dafür Sorge, dass sich Angebot und Nachfrage in einem Titel so angleichen, dass die Anleger einen fairen Börsenpreis gestellt bekommen. Damit ist der Computer in vielen alltäglichen Situationen überfordert. Denn ein Computer kann hervorragend rechnen, er kann jedoch nicht denken. Häufig liegen die Kauf- und Verkaufskurse in einem Titel so weit auseinander, dass es nicht genügt, rechnen zu können. Dann ist der Skontroführer mit seiner Erfahrung und Bauchgefühl gefragt. Legt ein Unternehmen überraschend gute Geschäftszahlen vor, wollen die Anleger meist nur kaufen, aber niemand will verkaufen. Mit solchen Situationen kommt der Computer nicht klar. Da ist das Fingerspitzengefühl eines erfahrenen Skontroführers gefragt. Und dabei geht der Skontroführer selbst ein Risiko ein. Denn er ist die Gegenpartei des Anlegers und nicht etwa ein anderer Anleger.

Die Zeitverschiebung nutzen

Deutsche Anleger erleiden keinen Nachteil, wenn sie ausländische Aktien nicht an ihrer Heimatbörse, sondern an einem deutschen Handelsplatz handeln. Im Gegenteil, die deutschen Regionalbörsen bieten viele Vorteile, die die Anleger an den ausländischen Börsen nicht immer vorfinden. Und die Börse München beispielsweise hat eine Spezialität daraus entwickelt, sich für ausländische Aktien zu öffnen und interessante Werte anzuziehen.
 
So tragen die deutschen Regionalbörsen dazu bei, dass die Zeitverschiebung den Anlegern in die Hände spielt. Sie können auch dann in einem Auslandstitel handeln, wenn die Heimatbörse geschlossen ist. In diesen Fällen ist die Erfahrung des Skontroführers besonders gefragt, denn er kann seine Kursstellung nicht an den Kursen an der Heimatbörse des Titels ausrichten. Durch die Zeitverschiebung verlagert sich der außerbörsliche Handel in Auslandsaktien häufig nach Deutschland.
Thomas Posovatz ist Vorstand für Investor Relations, Kommunikation, Finanzen, Rechnungswesen und Wertpapierabwicklung bei der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG. Nach Stationen bei der Paul Berwein Börsenmakler AG und der Nachfolgegesellschaft S.G. Warburg & Co. gründete Thomas Posovatz zusammen mit drei Kollegen sein eigenes Unternehmen. Von 1993 an bestimmte der Diplom-Kaufmann die Geschicke der MWB Wertpapierhandelshaus AG und führte sie schließlich in die Fusion mit der Fairtrade Finance AG. Damit entstand 2008 eines der größten Skontroführungsunternehmen in Deutschland – die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG.

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