Die Optimisten haben es derzeit nicht leicht

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Sorgen wegen Washington und Rom: In der vergangenen Handelswoche haben die deutschen Aktienmärkte trotz zwischenzeitlicher Erholung ihre Abwärtsbewegung der Vorwoche fortgesetzt und abermals nachgegeben. Zu den Hauptbelastungsfaktoren zählte einmal mehr der Handelsstreit zwischen den USA und China. Hier hatte die chinesische Seite angedeutet, Seltene Erden als Druckmittel gebrauchen zu können, zudem waren neue Zölle in Kraft getreten und Konjunkturdaten hatten gezeigt, dass der Konflikt greifbare Spuren hinterlässt. In mittelbarem Zusammenhang mit diesem Handelsstreit sorgte auch die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, als Vergeltung für illegale Migration Strafzölle gegen Mexiko verhängen zu wollen, für Unruhe unter den Anlegern. Zudem belastete das sich wegen der Frage der Staatsverschuldung zuspitzende Verhältnis zwischen Italien und der EU die Märkte. Nach dem Erfolg seiner Lega-Partei bei der Europawahl hat Matteo Salvini den Ton gegenüber der EU verschärft..

DAX weiter auf Talfahrt

Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor im Wochenvergleich 2,4 Prozent auf 11.726,84 Punkte. Zu den großen Verlierern zählten unter anderem Automobiltitel wie BMW, Daimler oder Volkswagen, die besonders unter den Bedenken wegen der Handelskonflikte der USA litten. Der MDax sank um 1,5 Prozent auf 24.776,52 Zähler. Ein erhebliches Plus verzeichnete gegen den allgemeinen Trend der Indexwert Axel Springer. Die Mitteilung, dass der Medienkonzern mit dem amerikanischen Finanzinvestor KKR Gespräche über eine strategische Beteiligung führe, verhalf der Aktie zu einem Kurssprung um rund 20 Prozent. Der TecDax büßte auf Wochensicht 3,4 Prozent auf 2.748,48 Punkte ein. Der HAFIX-Deutschland gab um 0,6 Prozent auf 3.635,15 Zähler nach, der HAFIX-Europa reduzierte sich um 2,3 Prozent auf 2.732,34 Punkte.
Die gleichen Einflüsse, die die Aktienmärkte belasteten, sorgten an den deutschen Anleihemärkten in der vergangenen Woche für spürbare Kursgewinne. Die steigende Angst der Anleger vor einem ausufernden Handelskonflikt und dessen Folgen für die Weltkonjunktur ließ sie zu den als sicher geltenden Bundespapieren greifen. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf Wochensicht von -0,12 auf -0,21 Prozent. Dies lag leicht unter dem bisherigen Tiefstwert aus dem Jahr 2016 und bedeutete einen neuen Rekordtiefststand. Die Umlaufrendite ging von -0,17 auf -0,25 Prozent zurück.

USA: Stimmung verdorben

In den USA verdarben Handelskonflikt und Strafzölle den Aktienanlegern ebenfalls die Stimmung. Der Dow-Jones-Index sackte im Wochenvergleich um 3,0 Prozent auf 24.815,04 Punkte ab und wies damit den höchsten Wochenverlust seit Dezember des vergangenen Jahres aus. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel um 2,6 Prozent auf 2.752,06 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index gab 2,4 Prozent auf 7.127,96 Punkte ab. .

Ausblick: Wenig Grund für Optimismus

Großen Anlass zu Optimismus in Bezug auf die deutschen Aktienbörsen gibt der Blick auf die aktuelle Woche nicht. Die schärferen Töne im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die neuen Zolldrohungen von US-Präsident Trump gegenüber Mexiko dürften weiter auf die Stimmung der Marktteilnehmer drücken. Gleiches gilt für den sich zuspitzenden Streit zwischen Italien und der EU wegen der italienischen Staatsverschuldung. Einige Beobachter befürchten, dass sich die Situation zu einer neuen Euro-Schuldenkrise auswachsen könnte. Auch die weiteren Entwicklungen in Sachen Brexit – Premierministerin Theresa May hat ihren Rücktritt für Freitag angekündigt – sind ein Thema, das die Anleger beschäftigen, wenn auch nicht beruhigen dürfte. Und die Spekulationen über die Zukunft der deutschen Regierung nach dem Rücktritt von SPD-Chefin Andrea Nahles sind ebenfalls keine Stimmungsaufheller.

Wie werden die Notenbanken in ihren Statements reagieren?

Angesichts der politischen Störfeuer dürften die Marktteilnehmer umso gespannter auf die Äußerungen der großen westlichen Notenbanken achten und diese auf mögliche Reaktionen hin analysieren. Dabei dürfte sich der Blick der Märkte zuerst auf das Beige Book der US-Notenbank richten, in dem diese ihre Einschätzungen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage darlegt. Dieses wird am Mittwoch veröffentlicht. Am Donnerstag informiert dann die Europäische Zentralbank (EZB) über das Ergebnis ihrer geldpolitischen Ratssitzung. Eine Zinsänderung erwartet kaum ein Beobachter, das Interesse liegt vor allem auf den Erläuterungen von EZB-Präsident Mario Draghi.
 
Daneben stehen einige hochkarätige Konjunkturdaten auf der Agenda. Aus Deutschland und dem Euroraum kommen unter anderem die Einkaufsmanagerindizes, Werksaufträge, Industrieproduktion sowie Inflationszahlen. In den USA werden die ISM-Indizes und die Werkaufträge veröffentlicht, das Hauptaugenmerk dürfte aber auf den Arbeitsmarktdaten liegen. Hier gibt der Bericht des privaten Dienstleisters ADP am Mittwoch einen Vorgeschmack, bevor am Freitag der offizielle US-Arbeitsmarktbericht vorgelegt wird.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 03.06.: Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Markit PMI Herstellungsindex (USA); Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA
Dienstag, 04.06.:
Verbraucherpreise in der Eurozone; Arbeitslosenzahlen für die Eurozone; Werkaufträge in den USA
Mittwoch, 05.06.:
Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; Erzeugerpreise in der Eurozone; ISM-Dienstleistungsindex für die USA; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); Markit PMI Gesamtindex (USA); Beige Book der US-Notenbank
Donnerstag, 06.06.:
Werksaufträge in Deutschland; Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; US-Handelsbilanz; Arbeitsproduktivität (außerhalb der Landwirtschaft) in den USA
Freitag, 07.06.:
Industrieproduktion Deutschlands; Handelsbilanz Deutschlands; US-Arbeitsmarktbericht; Verbraucherkredite in den USA

 

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

BMW 62,27 -1,03 %
close

Populäre Aktien

Axel Springer N 62,10 -0,24 %
close

Populäre Aktien

Daimler 47,50 -1,00 %
close

Populäre Aktien

DB TecDAX 2.795,75 -1,79 %
close

Populäre Aktien

Volkswagen Vz. 141,18 -1,25 %
close

Populäre Aktien

DB MDAX 25.293,00 -0,69 %
DB DAX 12.115,50 -0,44 %
HAFIX-Deutschland 3.553,64 -0,78 %
HAFIX-Europa 2.829,69 -0,25 %
DB Dow Jones 26.098,00 -0,08 %
DB S&P 500 2.887,75 -0,18 %