Quo Vadis Australien?

Brad Potter und Darren Langer, Nikko Asset Management
Brad Potter und Darren Langer, Nikko Asset Management
Am Samstag (18.05.) wählten die Australier ein neues Parlament. Damit rückt der fünfte Kontinent weltweit in den Fokus – auch als Investmentdestination für internationale Anleger.

Schwierigkeiten durch historisch niedrige Umsätze

Nachdem die australische Wirtschaft seit 26 Jahren ununterbrochen gewachsen ist, zeichnen sich am Horizont nun einige Risiken ab. Trotz der weiterhin starken Konjunktur- und Beschäftigungsaussichten bekamen die australischen Verbraucher in den vergangenen sechs Monaten doch einige Schwierigkeiten. Die Unternehmensgewinne sind zwar robust und das Geschäftsvertrauen ist weiter positiv, doch die historisch niedrigen Umsätze des Einzelhandels trüben derzeit die Wirtschaftsaussichten. Ursache für die sehr schlechte Konsumlaune ist das niedrige Lohnwachstum. Zudem hat der schwächelnde Immobilienmarkt zunehmend mit sinkenden Hauspreisen, weniger Baugenehmigungen und einer geringeren Zahl an Hypothekenbewilligungen zu kämpfen, was sich auf die Gesamtwirtschaft niederschlägt.

RBA wird Zinsen weiter senken

Nikko Asset Management erwartet, dass die australische Zentralbank (RBA) die Zinsen im Jahr 2019 noch senken wird, da sich die fallenden Immobilienpreise allmählich auf die Realwirtschaft auswirken dürften. Angesichts des schwächelnden Wachstums des Bruttoinlandsprodukts und vor dem Hintergrund der gemäßigten Inflation hat die RBA keine Veranlassung, die Leitzinsen kurzfristig zu erhöhen. Tatsächlich hat die Notenbank ihre Tonlage zuletzt geändert, weshalb einige Marktteilnehmer anfangen, ihre bisherigen Erwartungen an eine Erhöhung der Leitzinsen in diesem Jahr zurückzuschrauben, und andere eine Senkung der Zinsen fordern.
 
Die australische Notenbank hat ihre Wachstumsaussichten für 2019 auf 2,75 Prozent gesenkt, obwohl die Wirtschaft des Landes nach wie vor relativ gesund und der Arbeitsmarkt weiterhin robust ist. Die staatlich geförderten Infrastrukturinvestitionen sind auf einem hohen Niveau. Die RBA hält die Geschäftsbedingungen weiterhin für günstig, und es wird erwartet, dass die Investitionen in Unternehmen außerhalb des Bergbausektors zunehmen werden.
 
Die allgemein beachtete Korrektur der Immobilienpreise in den Großstädten Sydney und Melbourne resultiert aus einer Verknappung des Kreditangebots sowie einer geringeren Kreditnachfrage. Zu beachten ist, dass die Preisrückgänge nicht von den finanziellen Belastungen der Privathaushalte abhängen, die von den niedrigen Hypothekenzinsen weiterhin gestützt werden. Die erwarteten Zinssenkungen dürften für eine zusätzliche Entlastung sorgen.

Aktienkommentar

Die Divergenz zwischen Value- und Wachstumsaktien hat sich in den letzten fünf Jahren und vor allem in den letzten zwölf Monaten deutlich verstärkt. Während des jüngsten Ausverkaufs fielen sowohl Wachstumsaktien als auch Value-Aktien, stattdessen erfolgte eine Hinwendung zu defensiven, volatilitätsarmen und qualitativ hochwertigen Aktien. Aus Sicht von Nikko Asset Management waren jene Wertpapiere bereits so bepreist, dass sich eine Aktienblase zu bilden drohte. Doch trotz ihrer Korrektur notieren die Wachstumsaktien immer noch deutlich über dem 25-Jahres-Durchschnitt.
 
Typischerweise outperformen Value-Aktien bei steigenden Anleiherenditen, da sie tendenziell sensitiver auf sich verbessernde Wirtschaftsbedingungen reagieren. Diese Korrelation wurde kürzlich aufgehoben, als die steigenden Anleiherenditen in den USA dazu geführt hatten, dass der Markt allzu sehr über die Inflation besorgt war und dadurch sowohl Value- als auch Wachstumsaktien korrigiert wurden. Aufgrund der Zurückhaltung der US-Notenbank Fed sollten nun aber statt dieser Sorge eher die zugrundeliegenden Fundamentaldaten der Haupttreiber der Märkte werden. Die flachere Zinsstrukturkurve in den USA hat jedoch die Befürchtung einer Rezession geweckt und die Risikoaversion ist nach wie vor hoch.
 
Die stark ausgeprägte Bewertungslücke zwischen Value und defensiven Aktien mit geringer Volatilität legt nahe, dass der Markt entweder eine Rezession oder weiterhin eine Deflation einpreist. Nikko AM hält beides kurz- bis mittelfristig für unwahrscheinlich. Sie sind der Meinung, dass der australische Aktienmarkt für Anleger nach wie vor attraktive Einstiegsmöglichkeiten in extrem günstige, konjunktursensitive zyklische Aktien bereithält.
    
Darren Langer ist Senior Portfolio Manager Australian Fixed Income und Brad Potter ist Head of Australian Equities von Nikko Asset Management.
 
An der Börse München handeln wir auch 179 australische Titel.