Eine wichtige Woche in Europa - konjunkturell wie politisch

Robert Greil, Merck Finck
Robert Greil / Bild: Merck Finck Privatbankiers
Nachdem in Sachen US-Handelskonflikte keine Lösungen, aber immerhin vorläufig etwas mehr Klarheit im Raum stehen, rückt der Fokus diese Woche auf zahlreiche europäische und gerade deutsche Schlüsselkonjunkturdaten sowie die EU-Parlamentswahlen in der zweiten Wochenhälfte. Die zu erwartenden Gewinne EU-kritischer Parteien bei voraussichtlich hohen Verlusten der beiden großen Volksparteien werden die Handlungsfähigkeit des EU-Parlaments reduzieren.
 
Kurzfristig wird mit keinen massiven Auswirkungen auf die Börsen gerechnet. Sollte es gegenüber den Umfragen keine großen Überraschungen geben, dürften die Finanzmärkte besonnen darauf reagieren. Wichtig ist aber, ob Manfred Weber auf Basis des Wahlausgangs neuer Präsident der EU-Kommission wird. Das ist deswegen eine wichtige Frage, weil davon auch die weiteren Chancen von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf eine Nachfolge Mario Draghis an der EZB-Spitze ab November abhängen – was für die Finanzmärkte von größerer Bedeutung ist als ein etwa erwarteter Ausgang der EU-Wahlen.

Wichtige Schlüsseldaten kommen aus Deutschland

Besonders viele Schlüsseldaten kommen nächste Woche aus Deutschland: Angefangen von den Produzentenpreisen am Montag über das finale und detaillierte Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2019, dem Ifo-Geschäftsklima und den vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Mai am Donnerstag. Letztere werden an diesem Tag auch für die Eurozone, die USA und Japan publiziert. Für den Euroraum wird am Dienstag zudem das Verbrauchervertrauen im Mai veröffentlicht, und in Großbritannien stehen am Mittwoch Inflations- und am Donnerstag Einzelhandelszahlen auf der Agenda.
 
In den USA legt die Fed zur Wochenmitte das Protokoll zu ihrer jüngsten Sitzung vor. Am Freitag stehen die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im April an. Japan schließlich gibt sein Bruttoinlandsprodukt im Startquartal 2019 am Montagmorgen bekannt, bevor im Wochenverlauf die Industrieproduktion, die Handelsbilanz, Maschinenaufträge sowie Inflationszahlen für April folgen.
Robert Greil ist Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers