Neue US-Zölle auf chinesische Produkte

John Vail, Nikko Asset Management
John Vail, Nikko Asset Management
Die US-Regierung hat die Zölle für chinesische Güter im Wert von 200 Milliarden US-Dollar erhöht. Diese Konsequenzen hat die aktuelle Verschärfung des Handelsstreits  für die Weltwirtschaft:
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten Monaten die US-Zölle auf chinesische Waren auf einen Wert von 260 Milliarden Dollar ausgeweitet werden, liegt jetzt bei 50 Prozent. Denn die Trump-Administration verliert die Zuversicht, China noch dazu bewegen zu können, strukturelle Normen der Industrieländer zu übernehmen. Diese letzte Tranche dürfte wohl schrittweise umgesetzt werden, und die gleichen Importe außer Kraft setzen wie bei den bisherigen Zollmaßnahmen.
  • Der Einfluss auf die US-Inflation dürfte gering sein, da der neue Zoll nur chinesische Einfuhren betrifft und es viele Preisaufschläge im Groß- und Einzelhandel gibt. Beide werden Abstriche machen müssen, da andere Länder mit diversen chinesischen Importen konkurrieren. Zudem machen Dienstleistungen den größten Teil des Verbraucherpreisindex aus, und nur etwa 10 Prozent des Verbraucherpreisindex sind von den Zöllen direkt betroffen.
  • Sowohl das bislang sehr schnelle Wachstum der US-Wirtschaft als auch das chinesische Wachstum dürfte sich abschwächen. Auch die übrigen Teile der Weltwirtschaft dürften beeinträchtigt werden, aber eine globale Rezession ist unwahrscheinlich, es sei denn, die weitere Zollerhöhung der USA würde sehr rasch erfolgen oder China würde über Vergeltungszölle hinausgehende Maßnahmen ergreifen. Doch sollte China versuchen, die Preise zu senken und sein Produktüberangebot in andere Länder zu exportieren, und sollten diese Länder (wie in Teilen bereits die Europäer) darauf ebenfalls mit Zöllen und Importquoten reagieren, würde solch ein globaler Handelskrieg die gesamte Welt in eine Rezession treiben.
  • China wird verhindern, dass die Landeswährung Renminbi unter 7 US-Dollar fällt. Das hat die chinesische Führung in der Vergangenheit mehrfach versichert. Denn würde sie das zulassen, würden nicht nur die USA, sondern auch die meisten anderen Ländern Strafzölle verhängen. China kann Kapitalabflüsse kontrollieren - hoffentlich nicht die von ausländischen Investoren - und ist im Besitz riesiger Devisenreserven.
John Vail ist Globaler Chefstratege von Nikko Asset Management.