Globale Konjunktur: Hoffen auf China und Staunen über die USA

Carsten Mumm, Donner & Reuschel
Carsten Mumm / Bild: Donner & Reuschel
Von konjunktureller Seite gab es zuletzt einige Entspannungssignale. Vor allem in China wurde die schon länger erkennbare wirtschaftliche Belebung durch die Veröffentlichung des mit 6,4 Prozent stärker als erwartet ausgefallenen Wachstums des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für das erste Quartal bestätigt. Auch die ebenfalls überraschend positive Industrieproduktion im März (+8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) belegt, dass ein abruptes Abbrechen der chinesischen Wirtschaftsdynamik (hard landing) vermieden werden konnte.

Sinkende Wachstumsdynamik

Das US-BIP übertraf mit einem Wachstum in Höhe von 3,2 Prozent im ersten Quartal ebenfalls die Erwartungen. Auch der April-Arbeitsmarktbericht in den USA fiel mit 263.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft und einer auf 3,6 Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote unerwartet positiv aus. Trotzdem ist davon auszugehen, dass das Wachstum in den folgenden Quartalen schwächer ausfallen wird, da die Dynamik zuletzt vor allem auf sinkenden Importen, steigenden öffentlichen Ausgaben (v.a. für Rüstung) und einem deutlichen Lageraufbau basierte. Zusammen mit konjunkturellen Warnsignalen, wie der weiterhin flachen Zinsstruktur, dem niedrigen Geldmengenwachstum und dem nachlassenden Wachstum des privaten Konsums erhöht sich der Druck auf US-Präsident Trump, zeitnah konkrete Ergebnisse im laufenden Handelskonflikt mit China zu erreichen. Bisher blieb es allerdings lediglich bei Beteuerungen, dass die Verhandlungspartner zielführende Gespräche führten und einer Einigung nahe stünden.

Wachstumsprognosen für Europa nach unten korrigiert

In Deutschland belegten sowohl die Einkaufsmanagerindizes als auch der letzte ifo-Geschäftsklimaindex erneut eine Zweiteilung: im Verarbeitenden Gewerbe sinken die Erwartungskomponenten der Unternehmen, während sie im Handel, im Bau und bei den Dienstleistungen weiter dynamisch hoch sind. Getrübt wurde die Stimmung in der deutschen Industrie zusätzlich durch wiederholte Androhungen möglicher Strafzölle für europäische Autoexporte durch die US-Regierung. Sowohl für Deutschland als auch andere Eurostaaten wurden die Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr 2019 folgerichtig deutlich nach unten revidiert.

Konsolidierung wahrscheinlich

Die weiteren globalen Konjunkturperspektiven sind gemischt. Die Stabilisierung der chinesischen Volkswirtschaft unterstützt gerade exportorientierte Staaten wie Deutschland und viele Schwellenländer. Hinzu kommt die überwiegend expansive Ausrichtung vieler Notenbanken. Allerdings verunsichern der Handelskonflikt und der verlängerte Brexit-Prozess sowie die absehbare Abschwächung der US-Konjunkturdynamik. Vor diesem Hintergrund ist eine Konsolidierung an den internationalen Aktienmärkten in den kommenden Monaten wahrscheinlich.
Carsten Mumm leitet die Abteilung Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL. Er ist verantwortlich für die Erstellung der Konjunktur- und Kapitalmarktprognosen sowie der kapitalmarktrelevanten Publikationen. Zuvor verantwortete der 42-jährige die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden, das Management von Spezial- und Publikumsfonds sowie die hauseigenen Research-Tätigkeiten. Der gelernte Bankkaufmann und studierte Diplom-Volkswirt ist seit 1998 im Bereich Kapitalanlage beschäftigt. 2006 qualifizierte er sich zum Chartered Financial Analyst.