Fußball an der Börse

Von Sönke Niefünd
Sönke Niefünd / Bild: Otto M. Schröder Bank AG
Kapitalanlage und Fußball:  Reine Liebhaberei oder tatsächlich ein lukrative Geldanlage? Vor dem Hintergrund der Fußball-Europameisterschaft 2016 widmen wir uns den Möglichkeiten der Kapitalanlage in Bezug auf diese Sportart. Dabei konzentrieren wir uns auf Aktien und Anleihen, die am Kapitalmarkt notieren und nicht auf Vereins-Sponsoring durch einen oder mehrere Mäzene

Börsennotierte Fußball-Aktien: Wenig Auswahl

Als Fußball-Aktien werden Wertpapiere bezeichnet, die dem Anleger Anteile an einem Fußballverein verbriefen. Ein eingetragener Verein (e. V.) ist von der Rechtsform her nicht dazu berechtigt, Aktien zu emittieren; zuvor muss eine AG gegründet werden. Dafür gliedern Fußballvereine einen Bereich aus oder schaffen eine AG-Konstruktion. Die AG kann in der Folge selbstverständlich beschließen, dass eine gewisse Zahl von Anteilen an der Börse gehandelt
werden soll.
Bekannte börsennotierte Fußballvereine sind Borussia Dortmund, Manchester United und Juventus Turin.

Gewinn statt Gewinner

Grundsätzlich geht es auch bei Fußball-Aktien in erster Linie darum, dass die jeweilige AG einen Gewinn erzielt. Zwischenzeitliche Kursbewegungen lassen sich sehr häufig auf das sportliche Abschneiden einer Mannschaft zurückführen, wobei z. B. ein Abstieg die wirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflusst.
 
Fußball-Aktien sind für die Fans eines bestimmten Vereins möglicherweise ein sehr interessantes und spannendes Investment. Dabei sollte jedoch stets beachtet werden, dass es sich auch bei Fußball-Aktien um eine echte Geldanlage mit Gewinnchancen und Verlustrisiken handelt. Der Kursverlauf der Borussia-Dortmund-Aktie verdeutlicht dies.
 
Der Jahresetat eines professionellen Fußballvereins wird in der Regel durch folgende fünf Einnahmequellen gespeist:
    1. Erlöse aus TV-Rechten,
    2. Erlöse aus dem Verkauf von Eintrittskarten und Fanartikeln,
    3. Werbegelder von Sponsoren,
    4. Einnahmen beim vorzeitigen Verkauf von Spielern und
    5. Einnahmen aus der Verteilungsquote diverser Wettbewerbe (DFBPokal, UEFA Europa League oder Champions League).

Fan-Anleihen nur für Fans?

Bei über den normalen Etat hinausgehenden Investitionen, z. B. dem Bau eines neuen Jugendleistungszentrums (wie beim Hamburger SV-Campus), werden neben der Aufnahme von Bankkrediten seit einigen Jahren sogenannte Fan-Anleihen aufgelegt. Der dabei deutlich über dem Kapitalmarktniveau angebotene Zinssatz verdeutlicht bereits, dass bei dieser Anlage ein erhöhtes
Risiko eingegangen wird.
 
Neben dem Hamburger SV haben in der Vergangenheit der 1. FC Köln, 1. FC Nürnberg, Hertha BSC Berlin, der FC St. Pauli sowie der FC Schalke 04 eine solche Kapitalbeschaffung mit unterschiedlichen Ausgestaltungen gewählt. Das Beispiel der deutlichen Überzeichnung der börsennotierten Schalke-Anleihe 2016 zeigt, dass bei der Zielgruppe der Fans das Herz (d. h. die Liebe zum Verein) mehr Einfluss auf die Anlageentscheidung haben kann als ein kühler Kopf. Auch hierbei gilt, dass der wirtschaftliche Erfolg des Vereins von sportlichen Ereignissen beeinflusst wird, die künftig ggf. weniger Einnahmen generieren lassen (z. B. ein Abstieg).

Eine emotionale Rendite kann auch negativ sein

Wir empfehlen – wie bei jeder Kapitalanlage – stets das Chance-Risiko-Verhältnis zu beachten und sich nicht von einer hohen Rendite in die Anlagen locken zulassen. Denn wie Fans vom MSV Duisburg und Arminia Bielefeld, aber auch vom 1. FC Köln wissen: Auch eine emotionale Rendite
kann negativ sein.
Sönke Niefünd ist seit 2013 bei der Otto M. Schröder Bank AG in Hamburg verantwortlich für vermögende Privatkunden und Unternehmerfamilien, Institutionelle Investoren und Stiftungen. Zudem verantwortet er die Vermögensverwaltung bei der hanseatischen Privatbank. Sönke Niefünd hat die Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert und studierte anschließend Betriebswirtschaftslehre an der Universität in Hamburg. Dabei spezialisierte er sich in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern und Finanzen. Zudem hat er einen Master of Science in Finance und Strategy an der HHL-Graduate Management School in Leipzig erworben. Beruflich hat Herr Niefünd u.a. für eine Schweizer Bank in Zürich, London und Hamburg gewirkt.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Borussia Dortmund I 4,20 2,34%
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Juventus F.C. N 0,3702 -6,14%
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Manchester Utd-A Rg 12,02 1,86%
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