Liegt Trump doch richtig? Handelskonflikt und Finanzmärkte

Dr. Ernst Konrad, Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement
Dr. Ernst Konrad / Foto: Eyb&Wallwitz Vermögensmanagement
Wenn man wie Donald Trump sein Leben lang in Immobilien investiert hat, überrascht es nicht, dass er den Erfolg seiner Präsidentschaft nicht an Zustimmungswerten, sondern an der Entwicklung der US-Volkswirtschaft im Allgemeinen und der Aktienkurse im Speziellen gemessen sehen möchte.
 
Vor diesem Hintergrund ist ihm das amerikanische Handelsdefizit seit jeher ein Dorn im Auge. Es liegt aktuell bei über 600 Mrd. US-Dollar pro Jahr, wobei das Defizit mit China allein für gut 400 Mrd. US-Dollar verantwortlich ist. Größere Defizite gibt es außerdem gegenüber der EU, Mexiko und Japan. Nachdem bereits Handelsabkommen mit Mexiko und Canada im letzten Jahr abgeschlossen wurden, erheben die USA seit September Zölle auf chinesische Produkte im Wert von 250 Mrd. US-Dollar. Über der EU und vor allem Deutschland hängt außerdem das Damoklesschwert von Strafmaßnahmen gegen Automobilexporte.

USA als vermeintlicher Gewinner auf Kosten Chinas...

In der aktuellen Debatte wird oft unterstellt, dass Zölle auf chinesische Produkte der amerikanischen Volkswirtschaft schaden, weil sie Importe für Verbraucher, aber auch für Unternehmen, die diese als Input nutzen, verteuern.
 
Analysen des ifo-Instituts haben allerdings gezeigt, dass drei Viertel der Belastung auf die chinesischen Produzenten überwälzt werden kann, weil die US-Behörden einen Sonderzoll gerade auf jene Produkte erheben, für die die Importelastizität besonders hoch ist (z.B. geringwertige Konsumgüter und einige Zwischenprodukte). Dadurch steigen die Verbraucherpreise nur unterdurchschnittlich.
 
Die erhoffte Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz hat sich bislang aber noch gar nicht eingestellt und wird auch in den nächsten Monaten hinter den Erwartungen zurückbleiben, (vgl. Grafik) da die chinesischen Importe offensichtlich durch Einfuhren aus anderen Ländern und nicht aus heimischer Produktion ersetzt werden.
Gleichzeitig generieren die USA Zolleinnahmen in Höhe von ca. 22,5 Mrd. US-Dollar, die aber eben nur zu einem Viertel von den Inländern getragen werden, so dass ein Nettovorteil von gut 18 Mrd. verbleibt. Trumps Strategie des „America First“ geht bislang in dieser Hinsicht auf, während die Exporte Chinas insgesamt und speziell in die USA jüngst geradezu kollabiert sind. (vgl.Grafik
Grafik: Eyb&Wallwitz                

…und der EU

Während sich die Aufmerksamkeit auf die amerikanisch-chinesischen Verhandlungen konzentriert, sind die bislang gegen die EU verhängten Maßnahmen eher symbolischer Natur. Allerdings stehen Strafzölle auf Automobilexporte in Höhe von 25 Prozent im Raum, die die Wirtschaftsleistung innerhalb der EU um bis zu €30 Mrd. pro Jahr vermindern könnten. Für Deutschland könnte diese Belastung bei bis zu 0,6 Prozent liegen. Der Rückgang in den Exporterwartungen lässt  jedenfalls nichts Gutes für die weitere konjunkturelle Entwicklung erwarten. Vgl. Grafik: Die ifo Exporterwartungen sind seit übereinem Jahr rückläufig.

„Verlierer“ bremsen die US-Konjunktur

Nach 10 Jahren moderaten Aufschwungs zeigt auch die Weltkonjunktur deutliche Ermüdungserscheinungen (vgl. Grafik: Die Weltwirtschaft verliert merklich an Schwung). Der wieder stärker um sich greifende Protektionismus kommt gerade zur Unzeit. Der Welthandel war im letzten Jahrzehnt einer der Wachstumstreiber. Verliert er seine Vorreiterrolle, werden auch die inländischen Nachfragekomponenten, v.a. die Investitionstätigkeit der Unternehmen, leiden.
Selbst wenn die USA aus der ersten Runde des Handelskonflikts als Gewinner hervorgegangen sind, besteht die Gefahr, dass sie von den Verlierern, Asien und der EU, konjunkturell nach unten gezogen werden, zumal die positiven Effekte aus der Steuerreform, die für eine Verlängerung des Aufschwungs gesorgt haben, allmählich auslaufen.

… aber nicht den „Appetit“ auf amerikanische Aktien

Dies wäre nicht weiter schlimm, wenn dieses Risiko sich bereits in den Börsenkursen widerspiegeln würde. Schwächere Konjunkturdaten werden im Gegenteil positiv in dem Sinne interpretiert, dass sie die FED von weiteren Zinserhöhungen abhalten wird. Aktuell haben sich die meisten Investoren jedenfalls nur für einen „soft patch“, aber keine nachhaltige Trendwende positioniert.
 
In der Eurozone zeigt sich ein anderes Bild. In unserem Investmentbericht hatten wir auf den übertriebenen Konjunkturpessimismus hingewiesen, den die Kurse gerade deutscher Aktien Ende 2018 signalisierten. Zwar hat sich diese „Lücke“ weitgehend geschlossen . Der Sicherheitspuffer im Vergleich zu den USA ist somit größer und damit auch das Enttäuschungspotential geringer.
 
Für Europa spricht auch ein technisches Argument: Europäische Aktienfonds leiden seit mittlerweile 50 Wochen unter Mittelabflüssen, was seit dem Ende der Finanzkrise nicht mehr vorgekommen ist. Deutsche und europäische Aktien haben deshalb nach unserer Einschätzung für die nächsten Monate das größere Potential.
Dr. Ernst Konrad ist Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH und Fondsmanager der Phaidros Funds, Fallen Angels A und Balanced A. Die ausführliche Analyse können Sie unter diesem Link nachlesen. 

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