Trump bleibt der "Impulsgeber Nummer 1"

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Nach einem schwachen Start haben die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche aufgeholt und deutlich zugelegt. Während am Montag noch Befürchtungen vor einer neuen Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China die Stimmung spürbar getrübt hatten, ließen in der Folge neue Nachrichten zu diesem Thema die Anleger wieder mutiger werden. Von US-Präsident Donald Trump kamen gemäßigtere Töne in Hinblick auf China, was die Hoffnungen auf eine Einigung wachsen ließ. Im weiteren Wochenverlauf ließen dann am Freitag bestätigte Berichte, denen zufolge Trump erst in rund sechs Monaten über mögliche Sonderzölle auf Autoimporte entscheiden wird, die Investoren zu den Dividendentiteln greifen. Wenig überraschend profitierten dabei besonders Automobiltitel. Vom Hauptthema Handelskonflikte abgesehen lieferten vor allem Unternehmensnachrichten Impulse, die allerdings weitgehend auf die Einzeltitel beschränkt blieben. Zum Ausklang der Handelswoche nahmen zwar etliche Investoren Gewinne mit, was eine positive Wochenbilanz aber nicht verhinderte.

Dax auf Tal- und Bergfahrt

Der Deutsche Aktienindex (Dax) gewann im Wochenvergleich 1,5 Prozent auf 12.238,94 Punkte. Zu den großen Indexgewinnern zählte RWE. Die Titel des Versorgers profitierten sowohl von positiven Analystenkommentaren als auch von gut aufgenommenen Quartalszahlen. Der MDax legte um 1,2 Prozent auf 25.791,99 Zähler zu. Eine Berg- und Talfahrt vollführte der Indexwert Osram. Nach deutlichen Verlusten verhalfen neue Spekulationen hinsichtlich einer möglichen Übernahme der Aktie zu nennenswerten Kursgewinnen. Der TecDax gewann im Wochenvergleich 1,8 Prozent auf 2.867,20 Punkte. Der HAFIX-Deutschland reduzierte sich gegen den Trend um 0,5 Prozent auf 3.776,37 Zähler, während der HAFIX-Europa um 0,8 Prozent auf 2.862,58 Punkte zulegte.
Auch an den deutschen Anleihemärkten sind die Kurse in der vergangenen Woche gestiegen. Für Auftrieb sorgten dabei der Handelskonflikt zwischen den USA und China, schwächere Konjunkturdaten aus Deutschland sowie eine zeitweilige Verunsicherung der Marktteilnehmer durch den italienischen Vizepremierminister Matteo Salvini. Dieser hatte die europäischen Defizitregeln in Frage gestellt. Auf Wochensicht sank die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von -0,05 auf -0,11 Prozent. Die Umlaufrendite reduzierte sich von -0,11 auf -0,17 Prozent.

USA: Trump knüppelt Kurse nach unten

An den US-Aktienmärkten stand die zurückkehrende Skepsis hinsichtlich einer raschen Lösung des Handelskonflikts mit China Wochengewinnen im Weg. Der Dow-Jones-Index sank im Wochenvergleich um 0,7 Prozent auf 25.764,00 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index büßte 0,8 Prozent auf 2.859,53 Zähler ein. Der technologielastige Nasdaq-100-Index verlor 1,1 Prozent auf 7.503,68 Punkte. .

Ausblick: Streit um Zölle belastet Märkte

Auch wenn es viele nicht mehr hören können, die Handelsstreitigkeiten der USA mit China und der EU dürften auf absehbare Zeit die Einflussgröße für die deutschen Aktienbörsen bleiben, um die man nicht herumkommt. Sollte es zu diesem Themenkomplex etwas Neues geben, so dürfte sich dies direkt auf die Märkte auswirken – und zwar sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Aufmerksam dürften die Anleger zudem die weiteren Entwicklungen in Punkto Iran verfolgen, auch hier könnte US-Präsident Trump für marktbewegende Nachrichten sorgen.

Europawahl von begrenzter Bedeutung

Die Bedeutung eines anderen großen politischen Themas der kommenden Tage, der Europawahl, für die Märkte sehen die meisten Beobachter dagegen begrenzt. Zwar dürften der allgemeinen Einschätzung nach populistische Parteien zulegen, allerdings wird dies nicht in einem Umfang erwartet, der tatsächlich spürbaren Einfluss auf die Geschehnisse haben könnte. Interessant dürfte das Abschneiden einzelner EU-kritischer Parteien vor allem in Bezug auf Länder wie Italien sein, in denen ein Erstarken Einfluss auf die jeweilige Landespolitik haben könnte.

Anstehende Konjunkturdaten

Daneben dürften die Marktteilnehmer auf die anstehenden Konjunkturdaten blicken. Aus Deutschland und der EU stehen dabei vor allem das Ifo-Geschäftsklima und die Einkaufsmanagerindizes im Fokus. Aus den USA kommen unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter und Daten zum Immobilienmarkt, zudem wird das Protokoll der vergangenen Ratssitzung der US-Notenbank veröffentlicht.
 
Von Seiten der Unternehmen wird mit dem Abklingen der Berichtssaison die Nachrichtenlage deutlich ruhiger. Für Interesse dürfte die Hauptversammlung der Deutschen Bank sorgen, auf der die gescheiterte Fusion mit der Commerzbank und die grundsätzliche Strategie des Managements thematisiert werden dürften.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 20.05.: Erzeugerpreise in Deutschland; Leistungsbilanz der Eurozone; Chicago Fed Nationaler Aktivitätsindex (USA)
Dienstag, 21.05.:
Verkäufe bestehender Häuser in den USA
Mittwoch, 22.05.:
Protokoll der vergangenen Ratssitzung der US-Notenbank; US-Hypothekenanträge
Donnerstag, 23.05.:
Ifo-Geschäftsklima (Deutschland); Bruttoinlandsprodukt Deutschlands; Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Verkäufe neuer Häuser in den USA; Markit PMI Gesamtindex (USA)
Freitag, 24.05.:
Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA

 

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Deutsche Bank 6,02 -1,67 %
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Populäre Aktien

RWE 22,80 -0,04 %
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Populäre Aktien

DB TecDAX 2.795,75 -1,79 %
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Populäre Aktien

DB MDAX 25.293,00 -0,69 %
DB DAX 12.115,50 -0,44 %
Commerzbank 6,10 -1,82 %
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Populäre Aktien

HAFIX-Deutschland 3.553,64 -0,78 %
HAFIX-Europa 2.829,69 -0,25 %
OSRAM Licht N 25,48 -1,74 %
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Populäre Aktien

DB Dow Jones 26.098,00 -0,08 %
DB S&P 500 2.887,75 -0,18 %