Die große Frage: Bärenmarktrally oder Trendwende?

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche

Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Kurssprünge nach Inflationszahlen: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche erhebliche Gewinne verzeichnet. Nachdem die Kurse bereits in der ersten Wochenhälfte angezogen hatten, ging es ab Donnerstag nochmals steil nach oben. Auslöser hierfür waren Inflationsraten aus den USA, die deutlicher zurückgegangenen waren als erwartet. Dies ließ die Anleger hoffen, dass die US-Notenbank das Tempo ihrer geldpolitischen Straffung drosseln und schlussendlich einen geringeren Leitzins als noch vor Kurzem erwartet anpeilen könnte. Die generelle Stimmung an den Märkten stieg daraufhin deutlich, besonders profitieren konnten Technologietitel, die zuletzt auch überdurchschnittlich unter den Zinserhöhungen gelitten hatten. Am Freitag lieferten Nachrichten aus China zu Lockerungen der rigiden Null-Covid-Politik zusätzliche Aufwärtsimpulse.

Dax setzt Erfolgsserie fort

Der Deutsche Aktienindex (Dax) setzte seine jüngste Erfolgsserie fort und verzeichnete mit einem Anstieg um 5,7 Prozent im Wochenvergleich auf 14.224,86 Punkte seinen sechsten Wochengewinn in Folge. Der MDax kletterte um 9,1 Prozent auf 25.975,00 Zähler. Der TecDax gewann 9,0 Prozent auf 3.089,31 Punkte. Der m:access All-Share rückte um 0,3 Prozent vor auf 1.713,05 Zähler.
 
Mit Abstand größte Wochengewinner im Dax waren mit einem Kurssprung um 32,1 Prozent die Titel von Zalando, die im bisherigen Jahresverlauf spürbar unter der Aussicht auf hohe Zinsen gelitten hatten. Bei Infineon ging es um 19,0 Prozent nach oben. Die Titel von Adidas knüpften an ihre erheblichen Vorwochengewinne an und legten um weitere 20,1 Prozent zu, nachdem bestätigt wurde, dass Björn Gulden, der bisherige Vorstandschef von Puma, Adidas ab 2023 leiten wird. Im MDax kletterten die Papiere von Delivery Hero um 34,3 Prozent, der Kurs von HelloFresh sprang um 31,3 Prozent.
Machte einen gewaltigen Kurssprung: Die Aktie von Zalando.

Anleihen: Kurse drehten zum Ende der Woche

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche bei schwankendem Verlauf merklich zugelegt. Die Aussicht auf eine weniger rigide Straffung der US-Geldpolitik nach den jüngsten Inflationszahlen sorgte für Auftrieb bei den Notierungen der Bundespapiere. Zu Ende der Handelswoche drehten die Kurse allerdings wieder abwärts, was einige Beobachter mit Gewinnmitnahmen nach den vorangegangenen Steigerungen erklärten. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe sank im Wochenvergleich von 2,29 auf 2,15 Prozent. Die Umlaufrendite fiel von 2,19 auf 2,04 Prozent.

US-Börsen legten kräftig zu

Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche kräftig zugelegt. Die durch moderatere Inflationszahlen ausgelöste Hoffnung auf eine weniger restriktive Geldpolitik der Fed sorgte am vergangenen Donnerstag für die höchsten Indexgewinne seit Anfang 2020. Der Dow-Jones-Index verbesserte sich im Wochenvergleich um 4,1 Prozent auf 33.747,86 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 5,9 Prozent auf 3.992,93 Zähler. Beim von Technologiewerten dominierten Nasdaq-100-Index ging es um 8,8 Prozent nach oben auf 11.817,01 Punkte.

Ausblick: Wann kommt die Trendwende?

Die Frage „Bärenmarktrally oder Trendwende“ bleibt den Anlegern an den deutschen Aktienbörsen auch in der aktuellen Woche erhalten. Dabei können sich einige Beobachter allerdings eine anhaltend gute Stimmung an den Märkten vorstellen. Nachdem die jüngsten US-Inflationszahlen Anlass zur Hoffnung gegeben haben, würden jetzt weniger große Zinsschritte eingepreist, heißt es. Der Weiteren verweisen die optimistisch Gestimmten auf charttechnische Faktoren, die für eine Fortsetzung der jüngsten Aufwärtsbewegung sprächen.

Von Seiten der Konjunkturdaten stehen in den kommenden Tagen nur wenige potenziell marktbewegende Veröffentlichung an. Hierzulande dürfte der Fokus auf den ZEW-Konjunkturerwartungen liegen, zudem kommen Daten zur Industrieproduktion und Verbraucherpreisen in der Eurozone. Letztere dürften die Erwartung weiterer Zinsschritte der Europäischen Zentralbank bestärken, allerdings könnte sich auch hier das Bespiel aus den USA positiv auswirken. In den USA stehen unter anderem die Einzelhandelsumsätze auf der Agenda.

Berichtssaison geht dem Ende entgegen

Weniger Zahlen zumindest von den Schwergewichten gibt es auch im Rahmen der zu Ende gehenden Berichtssaison, aus dem Dax legen noch Infineon, Siemens und Siemens Energy ihre Ergebnisse und Prognose vor. Zudem kommen aus der zweiten und dritten Börsenreihe noch etliche Berichte – darunter von ThyssenKrupp, ProSieben Sat.1 und Varta –, die sich zumindest auf die jeweiligen Titel auswirken könnten.
Montag, 14.11.: Industrieproduktion in der Eurozone
Dienstag, 15.11.:
ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland); Großhandelspreise in Deutschland; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Erzeugerpreise in den USA; New York Empire State Index (USA); Einzelhandelsumsätze in China
Mittwoch, 16.11.:
Einzelhandelsumsätze in den USA; Industrieproduktion in den USA; Import- und Exportpreise in den USA
Donnerstag, 17.11.:
Verbraucherpreise in der Eurozone; Baubeginne und -genehmigungen in den USA, Philadelphia Fed Herstellungsindex (USA)
Freitag, 18.11.:
Verkäufe bestehender Häuser in den USA

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Infineon Technologies 32,025 -1,02%
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Populäre Aktien

PUMA I 49,61 -0,82%
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Populäre Aktien

UC TecDAX 3.138,87 0,13%
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Populäre Aktien

Siemens 134,16 0,48%
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Populäre Aktien

ThyssenKrupp 5,388 0,00%
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Populäre Aktien

UC MDAX 26.184,83 0,89%
UC DAX 14.550,17 0,41%
Varta 29,20 0,14%
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Populäre Aktien

HelloFresh I 24,81 -1,47%
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Populäre Aktien

adidas 124,04 -0,93%
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Populäre Aktien

Delivery Hero 42,98 -1,65%
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Populäre Aktien

Siemens Energy N 16,17 1,25%
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Populäre Aktien

ProSieben SAT.1 Media SE 8,924 -0,34%
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Populäre Aktien

m:access All-Share Index GTR 1.849,86 1,12%
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Tops und Flops

Zalando 30,93 1,74%
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Populäre Aktien

UC Dow Jones 34.423,44 N.A.
UC S&P 500 4.070,50 N.A.