Bayerische Sparkassen auf stabilem Gleis

Ulrich Kirstein
Dr. Ulrich Netzer und Roland Schmautz / Bild: Sparkassenverband Bayern
"Da weiß man, was man hat" lautete einmal ein so einfacher wie erfolgreicher Werbespruch eines bekannten Waschmittelherstellers. Ähnliches könnte man über die Sparkassen verlautbaren: Je angespannter und unübersichtlicher die wirtschaftliche Situation ist, desto eher entscheiden sich die Kunden für ihre Sparkasse. Oder, um es mit den Worten des Präsidenten des Sparkassenverbandes Bayern zu sagen: "Sie wissen, dass sie auf die Sparkassen zählen können und revanchieren sich mit Vertrauen in unsere Produkte und Dienstleistungen". Und das zahlte sich aus, denn das Jahr 2018 haben die bayerischen Sparkassen sehr erfolgreich abgeschlossen - trotz Niedrigzinsphase und politisch gewolltem hohen Regulierungsaufwand sowie neuer Konkurrenz von Fintechs im Zeichen der Digitalisierung.

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2018

Dieser Erfolg lässt sich in Zahlen ausdrücken: Das Kreditvolumen kletterte 2018 um 4,1 Prozent auf 135,9 Mrd. Euro, davon wurden 72,1 Mrd. Euro an Unternehmen ausgegeben. Die Kundeneinlagen stiegen um 4,5 Prozent auf 167 Mrd. Euro, vordringlich aufgrund von Sichteinlagen von Privatkunden. Auch das Wertpapiergeschäft verlief 2018, trotz herber Kursrückschläge an den Weltbörsen, insgesamt stabil für die Sparkassen(kunden). Während die Käufe nur leicht abnahmen, lagen die Verkäufe sogar 20 Prozent unter Vorjahr, das heißt, die Anleger hielten ihren Papieren die Treue und kauften sogar mehr als sie verkauften. Zulegen konnten auch die Fondssparpläne im Verbund mit der Deka deutlich, um plus 11 Prozent.
 
Keine Freude bereitet Banken derzeit das Zinsergebnis und die Situation dürfte sich in den kommenden Jahren noch weiter verschlechtern. Davon waren auch die bayerischen Sparkassen nicht ausgeschlossen und mussten hier trotz der gestiegenen Sichteinlagen ein Minus um 4,1 Prozent hinnehmen auf 3,30 Mrd. Euro. Das sei eine "verrückte Situation" kommentierte Netzer dies, "dass wir quasi eigentlich kräftig wachsen, doch der Erfolg von der Nullzinspolitik quasi sofort wieder aufgefressen wird". Der Zinsüberschuss sei aber die Haupt-Ertragsquelle der Sparkassen und würde letztlich über den Erfolg eines Geschäftsjahres bestimmen, so Netzer weiter. "Auf Dauer wird es aber immer schwieriger, den Rückgang über andere Ertragsquellen und Kostensenkungen aufzufangen", so Netzer mit Blick auf die Zukunft.
 
Das führte letztendlich dazu, dass das Betriebsergebnis vor Bewertung der bayerischen Sparkassen um 5 Prozent auf rund 1.670 Mio. Euro zurückging. Obwohl die Provisionsüberschüsse um mehr als 35 Mio. Euro stiegen und die Verwaltungsaufwendungen um mehr als 16 Mio. Euro sanken, konnten die fehlenden Zinsüberschüsse nicht kompensiert werden.

Die bayerischen Unternehmen sind agil

Netzer umschreibt das Geschäftsjahr 2018 mit Blick auf die bayerische Wirtschaft optimistisch: „Auch wenn sich der konjunkturelle Ausblick eintrübt, sind doch die bayerischen Unternehmen weiterhin überaus agil. Die Kreditnachfrage ist auf Rekordhöhe, der Mittelstand handelt optimistisch. Angesichts der Börsenschwäche zum Jahresende und der Verengung der Immobilienmärkte sind gleichzeitig auch die Sichteinlagen der bayerischen Sparkassen 2018 wieder stark angestiegen. Infolge des Mangels an rentierlichen Anlagemöglichkeiten parken viele Kunden ihre Ersparnisse in täglich fälligen Geldern mit geringster Verzinsung."

Die Sparkassen und die Digitalisierung

„Wir machen den Menschen das Leben leichter – beim Bezahlen, beim Überweisen und beim Finanzieren“, so begann Vizepräsident Roland Schmautz seine Ausführungen zu den aktuellen Digitalisierungsmaßnahmen der Sparkassen. So seien inzwischen 4,7 Mio. oder 73,7 Prozent der Girokarten von bayerischen Sparkassen inzwischen für kontaktloses Bezahlen ausgerüstet. 23 Mio. Transaktionen wurden so im vergangenen Jahr durchgeführt. Seit 2018 gibt es auch das kontaktlose bezahlen via Smartphone, das so zur "digitalen Geldbörse" wird, so Schmautz. Seit Mitte 2018 ist auch flächendeckend die europäische Echtzeitüberweisung "Instant Payment" möglich.  Bereits über 6,2 Mio. dieser Instant Payments wurden seitdem in der Sparkassen-Finanzgruppe durchgeführt. Per Kwitt können solche Echtzeitüberweisungen auch von Smartphone zu Smartphone durchgeführt werden.
 
Außerdem ist bereits eine Erweiterung der Sparkassen-App auf den Zugriff von Konten bei anderen Kreditinstituten möglich und künftig soll eine Finanz-Plattform als komplette Online-Drehscheibe für alle Finanzvorgänge eines Kunden geschaffen werden. „2019 ist ein evolutio-näres Jahr. Wir sind dabei, das komplette ‚personal finance management‘ in ein ‚Ökosystem Sparkasse‘ zu integrieren“, berichtete Schmautz. „Sicherheit und Datenschutz sind dabei Grundbausteine unserer Systeme.“

Für den guten Zweck

Insgesamt 446 Mio. Euro führen die bayerischen Sparkassen als Steuern an den Fiskus ab, davon fast die Hälfte (203 Mio. Euro) als Gewerbesteuern an die Kommunen. Nach ihrem öffentlichen Auftrag unterstützen die Sparkassen aber auch die bürgerliche Gesellschaft. Die 65 bayerischen Sparkassen haben so 2018 114 Stiftungen für soziale Zwecke, Umwelt, Kultur und Sport unterhalten. 46 Mio. Euro flossen so gemeinnützigen Zwecken und Einrichtungen zu.

Bayern im Bundesvergleich

Wie aber schnitten die Sparkassen in Deutschland im Vergleich zu Bayern - und umgekehrt - ab? Die 384 Institute mit ihren 13.000 Geschäftsstellen erwirtschafteten bundesweit ein operatives Ergebnis von 10 Milliarden Euro. Dabei sank der Zinsüberschuss insgesamt um 3,5 Prozent beziehungsweise 747 Mio. Euro. Der Provisionsüberschuss kletterte um 2,7 Prozent oder 209 Mio. Euro auf 7,8 Mrd. Euro.
 
Da sich an der Zinssituation in den nächsten Jahren keine Änderung abzeichnet, müsse sich die Sparkassenwelt für die Zukunft geeignet aufstellen, so denn auch das Credo von Netzer am Ende seiner Ausführungen. Es gelte, brachliegende Potenziale zu heben und mit der Konsolidierung in der Gruppe fortzufahren. Er sieht seine Gruppe aber als konstruktiven Partner bei allen Weiterentwicklungen, die die Strukturen der Sparkassen-Finanzgruppe zukunftsfest machen.