Weltaktienmärkte trotzen den Warnsignalen

Michael Winkler, St.Galler Kantonalbank Deutschland AG
Michael Winkler / Bild: St.Galler Kantonalbank Deutschland AG
War da was? Die US-amerikanische Finanzministerin Janet Yellen sandte in der ersten Maiwoche überraschend Signale Richtung möglicher Leitzinserhöhungen aus, schockte damit viele Anleger und schickte vor allem Techaktien auf Talfahrt. So schnell und überraschend diese Entwicklung kam, so zügig war sie dann aber auch schon wieder vorbei. Zum Ende der gleichen Woche hatte die Furcht vor Zinserhöhungen schon wieder deutlich nachgelassen, die Techaktien stiegen wieder. Der Grund: Die Arbeitsmarktdaten in den USA sind um ein vielfaches schlechter ausgefallen als erwartet. Offenbar zieht die Konjunktur doch nicht so an wie von manchen Beobachtern inklusive Janet Yellen erwartet.

Sturm im Wasserglas?

War das also ein Sturm im Wasserglas? Jedenfalls notierten die Leitbörsen am Ende der Woche ähnlich hoch wie zu Beginn, teilweise sogar noch höher. Angesichts der zahlreichen Warnsignale verwundert, wie robust sich die Börsen weltweit präsentieren. Denn Gründe zum Fallen gab und gibt es wahrlich genug. So hat der Nasdaq 100 seit April eine sogenannte Doppeltop-Formation gebildet, also zweimal hintereinander einen Höchststand erreicht. Dann wurde in Folge der Äußerungen von Janet Yellen die ausgebildete Unterstützungslinie unterschritten. Dies bedeutet eigentlich ein klares Shortsignal. Ähnliches gilt auch für den Dax. Auch hier wurde die Unterstützungslinie unterschritten, der Aufwärtstrend war schon seit April gebrochen. Aber schon zum Ende der Woche wurden in beiden Indizes die Unterstützungslinien wieder überschritten. Noch signifikanter ist die Entwicklung im S&P 500: Er erreichte am 7. Mai sogar einen neuen Höchststand.

Asiatische Indizes interessanter als US-amerikanische

Allerdings notieren nicht alle Leitindizes nahe oder auf neuen Höchstständen wie vor allem die US-amerikanischen. So befindet sich der MSCI Asia Pacific nach wie vor in der Konsolidierung und ist allmählich interessanter als die US-Indizes, die mittlerweile ziemlich heiß gelaufen sind.
Apropos Konsolidierung: Gold hat seine Schwächephase überwunden. Wer daran seit Mitte 2020 festgehalten oder sogar antizyklisch investiert beziehungsweise Bestände aufgestockt hat, wird nun belohnt. Seit dem Sommer 2020 hat der Wert um rund 150 US-Dollar zugelegt.

Fazit: Aktien bleiben grundsätzlich attraktiv

Die erste Maiwoche hat gezeigt, wie nervös die Aktienmärkte auf jedes Signal möglicher Zinserhöhungen reagieren. Sobald höhere Zinsen aber wieder unwahrscheinlicher werden, reagieren sie sehr robust bis zu neuen Höchstständen. Da auch weiterhin Rentenpapiere kaum eine Alternative darstellen, bleiben Aktien grundsätzlich attraktiv. Wie weit diese Attraktivität reicht, wird sich aber zeigen müssen. Trotz aller demonstrierten Robustheit der meisten Leitindizes tun Anleger gut daran, das weitere Geschehen aufmerksam und engmaschig zu beobachten, denn eine Garantie auf eine Fortsetzung dieser Robustheit gibt es nicht.
Michael Winkler ist Leiter Anlagestrategie bei der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG
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