Gute Argumente für europäische Small Caps

Christopher Gannatti, WisdomTree
Christopher Gannatti / Bild: Wisdom Tree
Small Caps haben 2019 einen unglaublichen Start hingelegt. Noch Ende Dezember vergangenen Jahres schien nach dem Anstieg des CBOE Volatility Index (VIX) auf 36 Prozentpunkte die Wahl eines defensiveren Ansatzes folgerichtig. Die Performancedaten im Januar zeigten jedoch eine vollständige Trendwende und auch auf der Grundlage unserer Daten können europäische Small Caps in diesem Jahr unmöglich ignoriert werden.
 
Seit 2013 zeigt der WisdomTree Europe SmallCap Dividend Index eine dramatische Performancelücke gegenüber dem MSCI Europe Index. Die wichtigsten Erklärungen für diesen Unterschied liegen zum ersten in einer häufig volatilen Performance einiger großen, systemrelevanten Banken angesichts in Europa auftretender Risiken. Mit ihrer hohen Marktkapitalisierung verfügen diese Titel über hohe Gewichte in Indizes wie dem MSCI Europe. Mit dem Blick auf Small Caps werden diese systemisch wichtigen Finanzzahlen umgangen, zumindest in bezug auf das direkte Index-Exposure.
 
Zum zweiten gab es zwei verschiedene Zeiträume, in denen die Ölpreise in kürzeren Zeitabständen deutlich gesunken sind. Die Konzentration auf Small Caps würde sich tendenziell von größeren Titeln abheben, die seit 2013 einige schwierigere Zeiten durchlaufen haben. 

Wenn Investoren europäische Aktien betrachten, sollten sie unseres Erachtens das gesamte Spektrum der verfügbaren Marktkapitalisierungsgröße in den Blick nehmen.

Grafik: Die langfristige Performance der europäischen Nebenwerte war sehr stark

Quelle: Bloomberg mit Daten vom 1. Juni 2006 bis 25. Januar 2019, dem Zeitraum der Live-Berechnung für den WisdomTree Europe SmallCap Dividend Index. Die historische Performance ist kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investitionen können an Wert verlieren. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

Erholungs-Rallye im Jahr 2019?

Wir sind uns bewusst, dass wir uns den Tatsachen stellen müssen. Das globale Wachstum verläuft langsamer als in den letzten Jahren, was zum Teil auf die Auswirkungen der Steuersenkungen in den USA seit 2017 zurückzuführen ist. Und die Stimmung für das Wachstum Europas ist im Vergleich zu 2017 derzeit nicht besonders gut. 
 
Glücklicherweise ist die Beziehung zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienperformance keine einfache Korrelation.

Groteske Unterschiede zwischen 2017 und 2018

Noch im Jahr 2016 suchten die europäischen Aktienmärkte den Boden nach politischen Eklats wie dem Ergebnis des Brexit-Referendums und dem Wahlsieg von Präsident Trump. 
 
Würde jedes Jahr dem Verlauf von 2017 gleichen, würden europäische Aktien das Portfolio-Exposure der Anleger dominieren. Die Wirtschaftswachstumsdaten beschleunigten sich damals, die Aktienperformance war stark und die europäischen Währungen werteten gegenüber dem US-Dollar auf. 

Wenn man die Jahre 2017 und 2018 nebeneinander betrachtet, wirken die unterschiedlichen Stimmungslagen dieser Zeiträume grotesk. 2018 kam es zu einem massiven Einbruch der Konjunkturaussichten für Europa sowie zu einer sich eintrübenden Stimmungslage. 

Auch wenn sich das Wachstum zu Beginn des Jahres 2019 nicht „beschleunigt“, so scheint eine Erholung zu beginnen. Es ist verblüffend, dass der WisdomTree Europe SmallCap Dividend Index 2018 am schlechtesten abschneidet, 2019 aber am stärksten beginnt. Dazu gehört die Tatsache, dass jeder Faktorindex bislang im positiven Bereich steht.

Zur Erinnerung sei hierzu folgendes angemerkt: Small-Cap-Unternehmen verfolgen in der Regel langfristige Ziele. Das europäische Wachstum befindet sich derzeit in einem späten Stadium seines Zyklus. Auch wenn eine weitere positive Performance möglich ist: Es gibt nicht viel Bewertungspuffer, wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern sollten.

Grafik: Die Aktienmärkte Europas durch die Einflussfaktoren verstehen

Quelle: Bloomberg, mit Daten vom 31. Dezember 2015 bis 25. Januar 2019. Die Renditen beinhalten sowohl den Einfluss der Aktienperformance als auch der jeweiligen Währungsperformance gegenüber dem Euro. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investitionen können an Wert verlieren.

 Fazit

Obwohl es im aktuellen Marktumfeld einfacher sein mag, die Allokation in die USA statt Europa zu rechtfertigen: Investoren sollten die Tatsache würdigen, dass jeder der fünf wichtigsten faktororientierten Indizes Europas nach einem ziemlich harten Jahr im Januar 2019 im Plus stand. Europäische Nebenwerte haben langfristig eine starke Performance erzielt und bieten derzeit hohe Preisabschläge im Vergleich zu US-Aktien.
Christopher Gannatti ist Head of Research bei WisdomTree Europe.