Vier Fallen, in die ETF-Anleger niemals tappen sollten

Christian Nemeth, Zürcher Kantonalbank Österreich AG
Christian Nemeth / Bild: Zürcher Kantonalbank Österreich AG
ETFs haben in den letzten zehn Jahren einen wahren Boom erlebt – im Aktienfonds-Bereich hat sich ihr globaler Marktanteil in diesem Zeitraum von 20 auf 40 Prozent verdoppelt, so eine Studie von Morningstar. Auch wenn viele Investoren ETFs mittlerweile in ihr Herz geschlossen haben, muss jede Anlageentscheidung in dieser Assetklasse mit Bedacht getroffen werden. Wir stehen ETFs gleichermaßen offen wie kritisch gegenüber. Unbestritten hat die passive Anlageform viele Vorteile, die auch wir nutzen. Nichtsdestotrotz sollten Anleger auf einige versteckte Fallen achten.
Die anhaltende Nachfrage institutioneller und privater Anleger nach ETFs ist wenig überraschend, werden die Produkte doch mit zahlreichen positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht. Dazu zählen eine breite Streuung, Transparenz, niedrige Kosten durch geringe Managementgebühren sowie Flexibilität durch die ständige Handelbarkeit. Auch wir integrieren ETFs in unsere Vermögensverwaltung. Aus unserer Sicht handelt es sich bei ETFs um eine kostengünstige und sinnvolle Ergänzung des Marktes, durch die wir insbesondere sehr effiziente Anklageklassen gut abdecken können. Der ETF-Anteil ist in den letzten Jahren angestiegen und macht mittlerweile gut ein Fünftel des von uns verwalteten Vermögens aus.
 
Auch wenn wir weiterhin aktives Management bevorzugen, erweitern passive Produkte unseren Handlungsspielraum. Wir mahnen Privatinvestoren jedoch zur Vorsicht. Eine 2016 durchgeführte Studie hat die Performance von Kunden eines deutschen Online-Brokers analysiert. Fast 7.000 Depots wurden ausgewertet und daraufhin untersucht ob der Einsatz von ETFs einen positiven Effekt auf das Anlageergebnis hat. Das Ergebnis war ernüchternd: Mit den ETFs erzielten die Anleger deutlich schlechtere Resultate als mit ihren übrigen Wertpapieren. Der Performanceunterschied lag bei 1,16 Prozent pro Jahr und war darüber hinaus auch statistisch signifikant. Die vordergründig positiven Eigenschaften der Produkte wurden von den Investoren durch einen falschen Einsatz und eine schlechte Auswahl mehr als wettgemacht. Wir zeigen Ihnen vier Fallen auf, in die Sie als Anleger nicht tappen sollten.

Kostenfalle: Der Vergleich zwischen ETFs und Investmentfonds ist verzerrt

Zwei der Hauptargumente für Investments in ETFs sind die beworbene Transparenz der Kostenstruktur und die vermeintlich viel niedrigeren Kosten im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. Ich empfehle jedoch, gerade hier genauer hinzusehen, denn der in der Aktiv-Passiv-Frage häufig angestrengte Kostenvergleich hinkt. Grund dafür ist, dass die ETF-Handelskosten, die dem Anleger bei einem Kauf oder Verkauf direkt verrechnet werden, auch Kostenelemente beinhalten, die bei einem klassischen Fonds intern anfallen. Wenn nun die Total Expense Ratio (TER) eines ETF mit einem klassischen Fonds verglichen wird, kommt es zu systematischen Verzerrungen, die für den Endverbraucher nicht immer gleich erkennbar sind. Diese können sich in Folge summieren und negativ auf die Performance durchschlagen: Anleger haben dann sprichwörtlich die Katze im Sack gekauft. Der ETF ist dann zwar noch immer günstiger als so mancher aktive Fonds, aber der Preisvorteil schrumpft.

Nischen-Falle: Die breite Auswahl verleitet zu Investments in exotische Produkte

Aufgrund der breiten Palette an verfügbaren ETFs begehen viele Anleger am sprichwörtlichen „Wühltisch“ einen Kardinalfehler: Die große Auswahl verleitet zahlreiche Investoren dazu, auch in wenig liquide Nischenmärkte zu gehen, anstatt auf große und bewährte Indizes zu setzen. Die meisten Anleger überschätzen aber ihre Selektionseigenschaften und bringen sich dadurch um einen Gutteil der möglichen Performance. Zusätzlich verschlechtert ein hoher Anteil von Spezialinvestments zumeist das Rendite/Risikoverhältnis.

Timing-Falle: Ständige Handelbarkeit fördert schlechtes Timing

Ein weiterer vermeintlicher Vorteil kann sich ebenfalls in einen Nachteil umkehren: ETFs zeichnen sich im Gegensatz zu aktiv verwalteten Fonds durch ihre ständige Handelbarkeit aus. Dadurch agieren die Anleger vermehrt ungeduldig und steigen oftmals zum falschen Zeitpunkt ein und auch zum falschen Zeitpunkt wieder aus. Es gelingt nur wenigen Anlegern, genau das richtige Timing zu finden.

Tausch-Falle: Vorsicht bei Swap-ETFs

ETFs können Indizes auf unterschiedliche Arten nachbilden. Ein Index kann entweder in seiner ganzen Breite, also mit allen Einzeltiteln (volle Replikation), oder durch die systematische Auswahl bestimmter Titel nur teilweise abgebildet werden (repräsentative Replikation). Eine weitere, sehr kostengünstige Möglichkeit bietet die synthetische Replikation: Bei dieser kommt ein Tauschgeschäft, also ein sogenannter Swap, zum Einsatz. Das Portfolio des ETF hat hier auf den ersten Blick nur sehr wenig mit dem Index gemein. Eine Investmentbank als Tauschpartner sagt aber zu, dem ETF die Rendite des Index zu liefern und gegen die Rendite des ETF-Portfolios zu tauschen. So weit, so gut. Ist der Tauschpartner jedoch zahlungsunfähig, können die Anleger große Teile ihres eingesetzten Kapitals verlieren. Swap-ETFs sind daher mit einem erhöhten Risiko verbunden, wir raten Anlegern hier zur Vorsicht.
Christian Nemeth ist Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. Vor seinem Engagement bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG war Christian Nemeth unter anderem als Chief Investment Officer bei der Deutsche Bank Österreich und der Bank Sal. Oppenheim (Österreich) tätig. Weitere Stationen der Karriere des studierten Betriebswirts waren die Creditanstalt, Capital Invest und Oppenheim Asset Management.