Plan B gegen KI-Angst
Au revoir, Wachstum
Auch Anfang des Jahres wächst die deutsche Wirtschaft nicht gerade berauschend: „Bundesbank: Nur verhaltenes Wachstum im ersten Quartal“, zitiert das Handelsblatt. Dazu passt, das Stimmungsbarometer des ZEW ist im Februar „überraschend“ gefallen. Um 1,3 Punkte, aber warum überraschend? „ZEW-Konjunkturerwartungen trüben sich unerwartet etwas ein“, auch die Schweizer von Cash zeigen sich verblüfft. Ansonsten soll die EZB-Chefin Christine Lagarde möglicherweise eventuell vielleicht ihren Posten bereits vorzeitig abgeben, noch vor der Wahl in Frankreich, oder doch nicht? Grund für die Süddeutsche Zeitung, sie schon einmal zu verabschieden: „Au revoir, Madame“. Bei der Bahn geht nicht nur auf der Schiene wenig seinen richtigen Lauf, auch auf der Datenautobahn stockt es: „Attacke in Wellen“, nennt es die Süddeutsche Zeitung, während die Frankfurter Allgemeine Zeitung das Thema noch ausweitet: „Hacker haben nicht nur die Deutsche Bahn im Visier“. In München werden an Aschermittwoch traditionell vom Bürgermeister und Stadtkämmerer die Geldbeutel im Fischbrunnen vor dem Rathaus gewaschen, damit das Geld nicht ausgehe. Klappt nicht immer, wie die Überschrift der Abendzeitung beweist: „So leer waren unsere Kassen noch nie“!
Harter Bulle oder weicher Bär
Das Spiel mit Bulle und Bär treibt dieses Mal Der Aktionär auf die Spitze: Unter einem Bullenkopf schält sich ein Bär heraus: „Bulle oder Bär“, fragt deshalb das Magazin, obwohl in der freien Natur eine Verwechslung eher selten sein dürfte. Es beruhigt nervöse Anleger aber gleich wieder: „KI-Angst an der Börse – mit diesen 5 Aktien verdienen Sie trotzdem“. Da kontert Börse Online mit einem Bullen aus Marmor: „Stabilitätswerte – etabliert, dividendenstark, schwankungsarm“. Da beißen Kritiker auf Granit. Focus Money rät dagegen ganz simpel: „Jetzt kaufen – 20 Top-Aktien der Stunde“. Auch hier gibt es „Rendite, Stabilität, Wachstum“. Mit einer seltsam stilisierten Palme vor himmelblauem Hintergrund erfreut uns die WirtschaftsWoche. „Der Plan B für Ihr Vermögen“, heißt es dazu, und der soll uns nicht auf, sondern an die Palme bringen: „Aus Angst vor Kriegen, Krisen und übergriffiger Politik suchen Wohlhabende Schutz für ihr Geld – und für sich selbst“. Werfen wir zuletzt einen Blick auf Euro am Sonntag: Das Blatt zeigt sich im Olympiamodus: „Die neuen Sieger-Aktien – welche Top-Werte jetzt ins Depot gehören“.
Finderlohn
Ein wenig fühlen wir uns an die Wirecard-Geschichte erinnert, als plötzlich Milliarden weg waren, bis sich herausstellte, dass sie gar nie dagewesen waren. Damit ist der grundsolide Volkswagen-Konzern selbstverständlich keinesfalls zu vergleichen. Hier fehlen Milliarden auch nicht, sondern sind seit letzter Woche zu viel da. 6 Mrd. Euro, um genauer zu sein. Doch die Freude über eventuell höhere Boni für Manager hält sich in Grenzen, denn eine Zahl mit immerhin neun Nullen einfach so zu übersehen, ist jetzt kein Ausweis solider Buchführung. Unser einer kann sich noch erinnern, dass schon wegen weniger Groschen zu viel oder zu wenig in der Bankkasse mehrmals nachgezählt wurde, bis alles wieder gestimmt hat. Vielleicht geht doch nicht alles mit rechten Dingen zu, zumindest bohrt die WirtschaftsWoche jetzt nach: „Insider berichten über riskante Bilanzkosmetik bei VW“.
Vermessen in Berlin
Frei nach dem Motto, es gibt nichts, was es nicht gibt, hat die Berliner Polizei Lineale an Schüler verteilt, die leider nicht richtig messen. Einem Schüler fiel auf, dass sein Lineal, obwohl es angeblich 15 Zentimeter anzeigt, gar keine 15 Zentimeter lang war. Von ferne erinnert das an den traurigen Scheinriesen in Jim Knopf von Michael Ende. Nun könnte man das unter Themen wie mehr Schein als sein oder kurz aber sexy abtun, aber das wäre vielleicht vermessen. Wir hoffen auch, dass in der Bundeshauptstadt nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. „Berlin: Polizei zieht nach Panne um fehlerhafte Lineale Konsequenzen“, meldet der für die wirklich wichtigen Meldungen der Nation zuständige Spiegel. Künftig wird nachgemessen, verspricht die Polizei. Bei der nächsten Geschwindigkeitskontrolle werden wir uns darauf explizit beziehen.